Wenn der Tod vor dem Bett steht und mahnend auf den großen Wecker blickt, nachsichtig dem alten Mann gestattet, sein Gebiss und seine sieben Sachen vom Nachtkästchen einzupacken, ist völlig offen, wie die Geschichte weitergeht. Basierend auf dem mit wenigen Strichen illustrierten Bilderbuch "Der Besuch vom kleinen Tod" der britischen Kinderbuchautorin Kitty Crowther hat Regisseur Michael Scheidl sparsame Dialogtexte für zwei Schwäne als launige Kommentatoren verfasst und der Komponist Klaus Lang mit seiner Musik für elf Instrumente einen stimmungsvollen Raum geschaffen.

Dieser Tod ist eine reizende kleine Person (Rino Indiono), doch das weiß niemand, und deswegen löst sein Erscheinen stets Angst und Schrecken aus. Ganz ohne Worte, eingebettet in die sphärisch schwirrenden Klänge von Flöten, Posaunen, Akkordeon, Schlagwerk und Streichern versucht der Tod, seine Arbeit zu verrichten. Mit schwarzer Kapuzenkutte und einer großen Sense, weißem Gesicht und vorsichtig-scheuen Bewegungen ist er keineswegs der böse Mann. Als er das sterbenskranke Mädchen Elisewin (Jasmin Steffl) holen muss, strahlt diese vor Glück, von ihren Schmerzen befreit zu sein. Sie fürchtet sich nicht und treibt Späße mit dem kleinen Tod! Elisewin springt und tanzt, bringt mit bunten Tüchern und Bällen Farbe auf die Bühne. Sie ist in jeder ihrer Bewegungen pures Leben. Doch auch sie muss durch das finale Tor - und kehrt als Engel zurück. Fortan begleitet Elisewin ihren neuen Freund, und niemand muss mehr Angst haben...

Ein poetisches Musikmärchen, das ein wichtiges Thema mit einfachen Mitteln und starken Bildern (Nora Scheidl) in der Live-Musik des hingebungsvoll spielenden Ensemble Phace umsetzt. Kaum zu glauben, dass dies eine der letzten Produktionen von netzzeit ist, die nach knapp 40 Jahren die Musiktheaterbühne verlassen.