Mit der Wahl von Frank Galatis Bühnenfassung von John Steinbecks 1939 erschienenem und mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetem Roman "Früchte des Zorns" hat Regisseur Harald Posch erneut eine gute Hand für Text-Adaptierungen bewiesen, vor deren historischem Hintergrund er aktuelle Themen aufrollt und metaphernreich kontextualisiert.

In diesem Falle sind es Migration als Folge kapitalistischer Welt- (und Menschen-)Zerstörung, (Gast-)Arbeiterwesen und - aufkommender wie auch gleich wieder verlorenerer - Klassenkampf.

Die Inszenierung bleibt nahe an der Geschichte einer in den Jahren der "Großen Depression" von ihrer Farm vertriebenen Familie, die wie zahllose andere den verlogenen Versprechungen der stetig reicher werdenden Großgrundbesitzer von Arbeit und "Wohlstand" im Westen folgen, um den Blickhorizont von Beginn an auf heutige Fluchterfahrungen auszuweiten: ganz explizit im Text, aber auch, indem er sein siebenköpfiges Ensemble in nicht weniger als sechs "Muttersprachen" spielen lässt, und vor allem durch einen intelligenten, diskurserweiternden Einsatz von Bühnen- und Kostümbild.

So bäumen sich aus der weißen Planenlandschaft im Laufe der Handlung Zelte von Auffanglagern auf, ein rostiges Förderband fungiert als Symbol für an die Grenzen einer aus den Fugen geratenen Welt führende Industrialisierungsbewegungen, bunt karierte Jumbotaschen und Sperrholzmöbel zitieren Flüchtlingserzählungen der jüngsten Zeit.

Ein rasanter, dichter Abend, dessen Schwächen im Nachklang in den Hintergrund rücken.