Es war eine Abschied, wie man ihn sich für Doris Weiner erwartet hatte: robust und beherzt bis zum Schluss, versprochen tränenlos und mit der ihr eigenen Art, ihr Publikum in ihren Bann zu schlagen. Und das nicht immer mit den besten Stücken, jedoch stets mit Rollen, die ihr auf den bis heute durchtrainierten Leib geschrieben schienen.

Nun also das Ende einer Ära mit "Sechs Tanzstunden in sechs Wochen": Weiner, nunmehr auch Ehrenmitglied des Hauses, war fast 45 Jahre lang Mitglied des Volkstheater-Ensembles, Teil der 1980 gegründeten, nicht mehr bestehenden Schauspielschule des Theaters, aus deren "Eleven" sie sich mit Alexander Jagsch für den letzten Akt an diesem Haus einen Spiel- und Tanzpartner gewünscht hat. 15 Jahre lang leitete sie überdies als dynamische Prinzipalin das Theater in den Bezirken.

Geholt wurde die Wiener Tänzerin, Schauspielerin und Regisseurin an das Volkstheater Mitte der 1970er-Jahre vom damaligen Leiter des Volkstheaters in den Bezirken, Leon Epps großer, lange Zeit aus dem Wiener Theaterleben nicht wegzudenkenden Errungenschaft eines Theaters der Nähe, das zu seinem Publikum kam und es da abholte, wo es eben zu finden war, örtlich wie ästhetisch. Doris Weiner blieb dieser Vision eines publikumsnahen Theaters treu – und bewies das auch mit ihrer letzten Rolle als vereinsamte Witwe Lily in Richard Alfieris 2001 uraufgeführtem Theaterwelterfolg.

Einen Tag nach der Premiere (und lange nach der geplanten und dann covidbedingt abgesagten eigentlichen Bezirke-Tour) war nun endgültig der Tag für den im vollen Saal des Volkstheaters von Standing Ovations begleiteten Abschied – ein bisschen melancholisch, ein bisschen ironisch und mit der ihr eigenen theaterblutdurchtränkten Widerspenstigkeit: "Die Weiner" at her best.