Die Fama von der Theaterstadt Wien hält sich hartnäckig, auch wenn gegenwärtig viele Bühnen nur mäßig ausgelastet sind. Doch wie zeigt sich die vielfach behauptete Theaterbegeisterung? Der Hang zum Dramatischen in Wien?

Das Theatermuseum sucht in seiner jüngsten Ausstellung "Verehrt . . . begehrt . . . Theaterkult und Sammelleidenschaft" nach Antworten und findet sie etwa in der Verehrung einzelner Bühnenstars. Diese Schwärmerei findet in einer einmaligen Sammelleidenschaft Ausdruck, mit der manche Fans Andenken aus dem privaten Leben und dem beruflichen Umfeld der Publikumslieblinge anhäuften. Mehr als 300 einzigartige Objekte sind nun im Erdgeschoß des Palais Lobkowitz ausgestellt. Mächtig Eindruck hinterlässt gleich das erste Ausstellungsstück: Der sogenannte "Glückssessel", der Theatersitz Nr. 192 aus Reihe 13 im Alten Burgtheater, der anlässlich des Abrisses des Gebäudes am Michaelerplatz ausrangiert wurde und zunächst vom Bühnenbildner Gilbert Lehner mitgenommen wurde. Das historische Möbelstück wechselte mehrfach die Besitzer, bis es über Lieselotte Anton, ehemals Dramaturgin am Burgtheater, wieder seinen Weg ins Burgtheater fand, diesmal freilich im Neubau am Ring. Der Stuhl wurde vor Antons Dramaturgie-Büro aufgestellt, im Lauf der Jahre nahmen viele Burgschauspielerinnen und -schauspieler auf dem harten Stuhl Platz und verewigten sich im daneben aufgelegten "Sitzbüchlein".

Viele weitere Relikte aus Theaterhäusern sind zu sehen, etwa verkohlte Reste aus dem Ringtheater, das 1881 abbrannte, bis heute die größte Brandkatastrophe der Wiener Theatergeschichte. Der Goldene Schlüssel des Raimund Theaters wird genauso präsentiert wie die Türklinke von der Außenseite der Bühnentür des Theaters an der Wien, das aus feuerpolizeilichen Gründen erneuert werden musste.

Auch private Gegenstände der Schauspielerinnen und Schauspieler wurden gesammelt. Eine ganze Vitrine widmet sich etwa Make-up-Utensilien, man sieht Schminkbehältnisse im Taschenformat bis hin zu großen Lederkoffern, mit denen man auf Reisen gehen könnte. Auch ein ganzes Sortiment an Spazierstöcken, Brillen, Haarspangen, Rauchwaren, Schreibutensilien und Fächern werden präsentiert; offenbar wurden auch Schuhe gesammelt und Kostümteile, etwa ein Strohhut von Alexander Girardi, von der berühmten Charlotte Wolter gelangte sogar ein Zahn in den Besitz eines Fans. Wie das alles vonstattenging, bleibt leider ein Rätsel. Doch verdankt das Theatermuseum dieser Manie eine bedeutende Sammlung. Joseph Gregor (1880-1960), Begründer der Theatersammlung der Österreichischen Nationalbibliothek und selbst ein passionierter Sammler, trieb dies voran. Gregor erwarb etwa die umfangreichen Privatsammlungen des Theatermachers Hugo Thimig und des Filmemachers Hubert Marischka.

Gewiss haftet manchen Objekten etwas Naiv-Kitschiges an, auch wirkt die Künstlerverehrung wie aus der Zeit gefallen. Nichtsdestotrotz erzählen diese Gegenstände auf ihre Weise etwas über die Geschichte des Theaters.