Das Wort "Ulknudel" gehört aus der deutschen Sprache getilgt. Aber ein besseres weiß ich nicht für Florence Foster Jenkins. "Glorious!" von Peter Quilter ist eine Art Biografie-Stück über sie. In der Wiener Scala geht die Sache gut - dank Tania Golden und Rafael Wagner. Den leicht schalen Nachgeschmack, den das Stück verursacht, können die beiden freilich, trotz ihrer Persönlichkeiten und der sensiblen Regie Rüdiger Hentzschels, nicht übertönen.

Florence Foster Jenkins war eine dank Erbschaft gut betuchte Amateur-Sängerin von einzigartigem Untalent. Sie selbst hielt sich für einen Star. Das Publikum kam, um über sie zu lachen. Das ist der Punkt, der "Glorious!" zu einem unsympathischen Stück macht: Quilter, englischer Komödienspezialist, führt Florence Foster Jenkins vor als unfreiwillige - nun, eben als unfreiwillige Ulknudel. Das Publikum, auch in der Scala, biegt sich vor Lachen, wenn Tania Golden quiekt und kreischt und punktgenau neben die Noten trifft. Dass diese Florence Foster Jenkins selbst, eingesponnen in ihre Schrulligkeit, eine unendlich warmherzige Frau war, die ihr Leben und, wenngleich naiv, das aller Menschen schöner machen wollte, spielt Tania Golden in den Text hinein, wie auch Rafael Wagner über den Text hinausweisend zeigt, dass der Klavierbegleiter Cosmee McMoon durch sie zum besseren Menschen wird. Hinzu treten Hendrik Winkler (St. Clair Bayfield), Claudia Marold (Dorothy), Bettina Soriat (Maria) als Stichwortgeber von eigenem Profil. Alexandra-Maria Timmel glänzt als ungute Verindah-Gedge, die das Traumgespinst zerreißen will.

Florence Foster Jenkins verewigt ihre Stimme: Tania Golden. - © Bettina Frenzel
Florence Foster Jenkins verewigt ihre Stimme: Tania Golden. - © Bettina Frenzel

Ein besseres Stück würde tiefer in die Seelen schauen. "Glorious!" begnügt sich damit, Lach-Stoff zu sein. Dass hier mehr daraus wird, liegt an der Aufführung. Glorios!