Um vor den bedrohlichen Technologien eines Überwachungsstaats zu warnen, müsste eine Bühnenproduktion aufrüttelnder gestaltet sein als der Samstagabend in den Soho Studios in Ottakring: Trotz Dunkelheit im säulendurchzogenen Raum stellt sich kein Unbehagen über eine Dystopie im multimedialen Musiktheater "Fugen" ein. In ihrer Komposition nimmt Elisabeth Schimana fragmentarisch Bezug auf Williams Gibsons Science-Fiction-Trilogie "Idoru": 13 Bilder werden zu einer Collage aus Text, Stimme, Ton und Licht.

Während tieffrequente Bässe im Herz-Rhythmus schwirren, rüttelt sich der Performer Chetan Yeragera symbolisch durch das Innenleben von Highspeednetzen und Algorithmen, sein Körper vibriert bis in die feinsten Winkel seiner Gelenke und Muskeln. Ähnlich Christina Sutter, während Aiko Kazuko Kurosaki ganz auf das Spiel ihrer Arme setzt.

Wie ein Schiedsrichter auf dem Hochstuhl steuert Pete Simpson die Figuren eines Papiertheaters in der Größe eines Schuhkartons. Seine Soulstimme erinnert an Bobby McFerrin und vermag, selbst stotternde Gesänge bezaubernd klingen zu lassen. Die Papierfiguren werden, ebenso wie die drei Performer, auf die zahlreichen Tabletts im Raum projiziert und bebildern damit die von fern und nah ertönenden Textpassagen mit unterschiedlichen Farben und Formen.

Der Inszenierung der freien Gruppe netzzeit sei aufgrund ihrer ungewöhnlichen Mitteln Respekt gezollt, wenn auch mehr Abwechslung in der Dramatik wünschenswert ist. Was bleibt, ist ein monumentaler Klotz Dystopie.