Mehr als ein Vierteljahrhundert hat sie für Kontinuität bei den Salzburger Festspielen gebürgt, hat Konfliktherde befriedet, Sponsorenherzen gewonnen und ihrem Amt mit ihrer Tätigkeitsfülle eine unverhoffte Bedeutsamkeit verliehen: Die Wehmut ist groß, dass Helga Rabl-Stadler Ende Dezember, nach rund 27 Jahren, die Präsidentschaft der Salzburger Festspiele endgültig niederlegt.

Groß ist freilich auch der Druck, eine Nachfolgerin (oder einen Nachfolger) von entsprechendem Format zu finden. 32 Kandidatinnen und Kandidaten haben sich bis Anfang November, dem Ende der Ausschreibungsfrist, beworben, hieß es aus dem Büro von Landeshauptmann Wilfried Haslauer; 22 davon stammen aus dem Inland, zehn aus dem Ausland, 19 sind Frauen, 13 Männer. Die Anforderungen an die Bewerber erinnern an die Kompetenzpalette der scheidenden Chefin: Die neue Führungsfigur soll Kenntnisse des internationalen Kulturlebens und der Salzburger Szene besitzen, soll ein Grundverständnis für die Arbeit eines Intendanten und für kaufmännische Agenden mitbringen - und soziale Kompetenz ausstrahlen sowie förderlich auf mutmaßliche Geldgeber einwirken. Das Kuratorium der Salzburger Festspiele, das diese Kür entscheidet, wird am 23. November das nächste Mal zusammentreten. Ob bis dahin eine "Short List" vorliegt oder erst danach, ist offen.

ÖVP-Dominanz im Gremium

Als sicher gilt dagegen, dass politische Erwägungen in diese Wahl einfließen werden. Das liegt auf der Hand bei einem öffentlich subventionierten und betriebenen Festival: Im Kuratorium der Festspiele sind die Eigentümer vertreten - und damit Repräsentanten des Bundes, des Landes und der Stadt Salzburg sowie des Tourismusförderungsfonds des Landes.

Die Dominanz der ÖVP im Gremium lässt freilich vermuten, dass eine Person mit entsprechender Vernetzung zum Zug kommt - was kein Beinbruch wäre, wenn diese Nähe mit Sachkompetenz einhergehen würde. Beobachter warnen jedoch, die Besetzung könnte allein der politischen Farbenlehre folgen - und sahen sich in den Vortagen in ihrer Befürchtung bestärkt. Laut Medienberichten rittert auch die Salzburger Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf um den Job. Die ÖVP-Politikerin, die dazu selbst nicht Stellung bezog, geriet postwendend ins Fadenkreuz der Opposition: SPÖ-Kultursprecherin Gabriele Heinisch-Hosek warnt vor einer "Postenbesetzung à la türkis" und fordert einen "untadeligen Profi" für die Mozartstadt.

Ob die Prestige-Festspiele eine entsprechende Führungskraft erhalten, ist derzeit ungewiss - dafür wird emsig über Kandidaten spekuliert: Das Name Dropping reicht von Stiftung-Mozarteum-Präsident Johannes Honsig-Erlenburg über ORF-Chef Alexander Wrabetz (der dementierte) bis zu Sängerin Angelika Kirchschlager und ÖVP-Politikerin Ursula Plassnik. Spätestens am 10. Dezember werden die Festspiele wieder an die Öffentlichkeit treten - und zumindest das Programm für den nächsten Sommer bekanntgeben.