Warum, zum Kuckuck, holen die Theater heute noch diese schrecklichen Oscar-Wilde-Komödien hervor mit ihren mots, die alles sind, nur nicht bon, und ihren abgestreckten kleinen Zeigefingern beim Teekränzchen?

Das Vienna’s English Theatre spielt jetzt "Private Lives". "Private Lives" ist nicht von Oscar Wilde, "Private Lives" ist von Noël Coward. Das ist weit schlimmer. Bloß die Aufführung, die ist glänzend.

Das ungefähre Dialog-Niveau von "Private Lives" bewegt sich auf der Höhe von: "Schatz, liebst Du mich?" - "Sehr, Liebling." - "Das ist aber sehr wenig." - "Ich liebe Dich unvergleichlich grandios." - "Schon besser." So ungefähr.

Der Inhalt dieses vertrockneten Trifles: Zwei Ehepaare treffen aufeinander, die Frau des einen war mit dem Mann des anderen verheiratet. Liebt man einander am Ende immer noch? Mann prügelt Frau, Frau prügelt Mann. Eindeutig: Das ist Liebe. Das Paar haut ab, das andere Paar zu.

"Private Lives" stammt aus dem Jahr 1929. Gewalt in der Ehe war schon damals nicht recht witzig. Aber geschenkt, man hat ja zu der Zeit auch über Oscar Wilde noch gelacht. Nur: Warum führt man solch einen pseudokomischen Mist heute auf?

Das freilich geschieht im English Theatre glänzend: Das ältere Paar (Amada Osborne, Mark Elstob) versprüht ausgeflippten Charme, das jüngere pendelt zwischen Exaltiertheit (Hollie Sullivan) und Bodenhaftung (Charles Davies). Natacha Costello kommt in der unnötigsten Nebenrolle aller Zeiten als Louise auf die Bühne. Flott inszeniert hat das alles Philip Dart in herrlich atmosphärischen Bühnenbildern von Ken Harrison.

Am Schluss rückt man ein Urteil zurecht: eigentlich doch gar nicht so übel. Der Oscar Wilde.