Über fünfzig Jahre ist Plácido Domingo nun schon mit der Wiener Staatsoper verbunden. Am 19. Mai 1967 debütierte der spanische Sänger an der Seite von Cesare Siepi, Gwyneth Jones und Hans Hotter in Giuseppe Verdis "Don Carlo" in der Titelrolle im Haus am Ring. Was sich daran an musikalischen Erfolgen ereignete, könnte mindestens zwei Karrieren füllen.

Opernaficionados sind ganz besondere Enthusiasten. Treuer, wissender, kritischer und gnädiger zugleich als andere Klassikliebhaber. Wenn nun Domingo einen Galaabend an der Staatsoper gibt, dann ist von einer ganz besonderen Atmosphäre im Saal auszugehen. Politik und Pandemie bleiben als Gesprächsthemen beinahe ausgespart. Jetzt zählt nur der Star.

Über 100 Rollen hat Domingo im Repertoire, mehr als 250 Abende absolvierte er an der Wiener Staatsoper, gut ein Sechstel davon am Dirigentenpult. Mittlerweile lässt er sein Charisma in Bariton-Rollen fließen. Den Nabucco unlängst hätte beinahe eine Halsentzündung verhindert.

Am Montag war Domingo sehr gut disponiert. Die letzten Verkühlungsausläufer sind nur am Husten zwischendurch zu merken. Der Sänger präsentierte dem Wiener Publikum jene Musik, mit der er einst sozialisiert wurde: Zarzuelas. Diese "Noche Española" bestritt er gemeinsam mit dem von Jordi Bernàcer geleiteten Bühnenorchester der Staatsoper, dem mexikanischen Tenor Arturo Chacón-Cruz und Saioa Hernández, der neuen Wiener "Abigaille", einst Schützling von Montserrat Caballé.

Viel Sentiment, Applaus, Blumen, eine Prise Melancholie und stehende Ovationen. Zum Abschluss gar Lehárs "Lippen schweigen", Tänzchen inklusive. Abschiedsvorstellung sei es übrigens keine gewesen, Domingo stehe dem Haus weiterhin zur Verfügung, heißt es. Ich kehre zurück, um nie wieder zu gehen, lautete eine Textzeile in Jacinto Guerreros "Mi aldea".