Die Klimakrise ist längst ein sattsam bekanntes Bühnensujet, von Thomas Köcks Klima-Trilogie "paradies fluten", "paradies hungern", "paradies spielen" bis hin zu Alexander Griesches "Der Mensch erscheint im Holozän" gibt es bereits eine Reihe an zeitgenössischen Stücken und Inszenierungen, die sich dem Klima verschrieben haben. Üblicherweise beklagen diese Stücke als Hardcore-Dystopien facettenreich den Turbokapitalismus.

Ganz anders geht die 29-jährige in Berlin lebende deutsche Autorin Svenja Viola Bungarten die Sache an. Ihr Stück "Garland", das soeben im Schauspielhaus Graz uraufgeführt wurde, bringt apokalyptische Szenarien mit den Mitteln der Komödie auf die Bühne. Über die Klimakrise lachen? Das geht sogar erstaunlich gut auf. "Garland" verfügt über einen raffiniert entworfenen Plot, ist randvoll mit popkulturellen Zitaten und Anspielungen, changiert souverän zwischen Groteske und Drama und liefert aberwitzige Pingpong-Dialoge, ohne je den Krisenmodus zu verlassen.

"Katastrophe als Zustand"

Regisseurin Anita Vulesica und dem achtköpfigen Ensemble gelingt eine überzeugende Umsetzung ohne Leerlauf. Bühnenbildner Frank Holldack hat für das Grazer Schauspielhaus eine Drehbühne mit mehreren Miniatur-Schauplätzen entworfen, sodass die raschen Szenenwechsel reibungslos funktionieren.

"Garland" ist in der sächsischen Kleinstadt Penig angesiedelt, dort gibt es tatsächlich einen Stadtteil namens Amerika, weshalb Ausstattung und Kostüme von Geraldine Arnold Anleihen an Western, Road-Movies und Hollywood-Ikonen nehmen. Diese gegenwärtig tatsächlich ökonomisch darniederliegende Grenzregion zu Tschechien verlegt die Autorin in eine nicht näher definierte Zukunft, in der nach Hitzewellen und Dürre den Bauern (Beatrice Frey und Rudi Widerhofer liefern ein kongeniales Farmer-Duo) die Existenzgrundlage entzogen wurde.

In dieser Endzeitstimmung hält Moderatorin Lorna Luft (cool: Lisa Birke Balzer) in einer gottverlassenen Radiostation die Talk-Show "Garland" am Laufen. Einer ihrer Studiogäste ist der Low-Budget-Regisseur Salvatore Brand (pflichtbewusst-überdreht: Frieder Langenberger), der für seinen Horror-Film "Amerika" Werbung machen will. Dieser Film, den niemand sehen will, weil darin reihenweise Kinder ums Leben kommen, bildet die narrative Struktur des Stücks. Das Publikum ist gewissermaßen live dabei, wie 100 Minuten lang eine Filmcrew auf der Bühne "Amerika" als eine Art "Zauberer von Oz"-Adaption dreht und dabei wie nebenher den gegenwärtigen Zustand der Welt beschreibt.

Klingt verdreht? Ist es auch, aber funktioniert in der routinierten Regie von Anita Vulesica tadellos. Wie bei jeder guten Komödie geht es nicht nur um Unterhaltung, sondern um ein gesellschaftspolitisches Unbehagen. "Garland" porträtiert Menschen im Prekariat zwischen Aufbruch und Resignation, die Figuren richten es sich, wie es einmal wortwörtlich im Stück heißt, in der "Katastrophe als Zustand" ein. Touché.