War der Erwin Steinhauer im Film "Die Wunderübung" nicht großartig? - Und ob! Und nachher hab' ich mir gedacht: Noch besser wär's, wäre der Psychologe nicht ein Mann, sondern eine Frau, eine Psychologin.

Warum?

Einen Psychologen fragen. Oder besser: eine Psychologin.

Und jetzt, im Theater Forum, ist der Psychologe wirklich eine Psychologin, und der Film ist immer noch großartig, aber die Aufführung im Forum ist es auch.

Gut sind die drei in ihren Rollen, so gut, dass man manchmal die Stück-Persönlichkeit für die des realen Lebens halten möchte, und sympathisch sind sie, und deshalb gönnt man als Zuschauer dem total zerstrittenen Ehepaar, dass es (Spoileralarm - ach was, weiß ohnedies jeder wie's ausgeht) wieder zusammenfindet durch den grandiosen Einfall der Psychologin, die offenbar eine ganz ähnliche Beziehung lebt. 

Gegensätze ziehen einander an

Gegensätze ziehen einander an - und machen ein fabelhaftes Dialog-Stück, wie es heute sonst in der Verbindung von Witz und Einblick in die Seelen nur noch die Yasmina Reza schreiben kann.

Im Forum kommt's halt auf die Gruppe an, die sich einmietet: Jüngst war der "Schüler Gerber" ein veritabler Triumph. Und nun ist Doris P. Koflers Glattauer-Aufführung ein Abend, den man genießen kann, ohne sich seines Vergnügens schämen zu müssen.

Daniel Glattauer schrieb in der "Wunderübung" eine feine Boulevardkomödie, die ideal ist für kleine Theatergruppen. 
- © APA / HERBERT PFARRHOFER

Daniel Glattauer schrieb in der "Wunderübung" eine feine Boulevardkomödie, die ideal ist für kleine Theatergruppen.

- © APA / HERBERT PFARRHOFER

Kofler hat flott inszeniert und spielt selbst die Joana Dorek, die sich permanent mit ihrem Mann Valentin (Hubert Wolf) in den Haaren liegt. Glänzend: Sie dauergestresst und hantig, er so penetrant gelassen, dass man sie verstehen kann. Wieso geht der Kerl nicht ein Mal, ein einziges Mal nur, in die Luft? Aber bei allem Gift lassen die beiden von Anfang an spüren, dass die Chemie im Prinzip stimmt.

Und so kann Natascha Shalaby als Psychologin herrlich überlegen agieren, weil sie genau weiß, was sie tut. Wenn es dann in die letzte Übung geht und vorgeblich ernst wird, spielt Natasha Shalaby sehr dezent einen Ton mit, als handle die Psychologin aus eigener Erfahrung. 

Das Publikum hat's merklich genossen - und geht etwas glücklicher nach Hause, als es gekommen ist. Eine Wunderübung für eine Kleinbühne!