Mit kräftigem Applaus wird der Comedian Till Reiners, der in Berlin lebt und arbeitet, vom Publikum im Wiener Stadtsaal empfangen. In Manier eines Stand-up-Comedian gibt er zunächst zu verstehen, dass er diesen Nervenkitzel braucht: einen Auftritt in einem Hochrisikogebiet! (Österreich wurde ja soeben von Deutschland erneut zu einem solchen erklärt.) Also ist es für ihn ein Spiel mit dem Leben. Und deswegen ist Till Reiners begeistert, dass sein Publikum sich für ihn entschieden hat und sich sagt: "Wenn schon meine letzten Stunden, dann mit Till Reiners." Wohlgemerkt, Ungeimpfte gibt es eh keine im Stadtsaal – es gilt die 2G-Regel, die penibel kontrolliert wird, also alles halb so schlimm. Der Einstieg in den Abend wirkt sehr individuell, und wenn Till Reiners sein Publikum zu Wort kommen lässt und schlagfertige, aber keinesfalls böse Antworten gibt, wird es mit Lachen honoriert.

Die "Flamingos am Kotti" kommen in Till Reiners' viertem Programm nur im Titel vor. 
- © Esra Rotthoff

Die "Flamingos am Kotti" kommen in Till Reiners' viertem Programm nur im Titel vor.

- © Esra Rotthoff

Der Comedian sinniert in weiterer Folge über Smartphones mit und ohne Klappe und zieht daraus Rückschlüsse über das Alter der Nutzer. Der deutsche Kabarettist Dieter Nuhr zum Beispiel ist einer für Leute mit Klappenhülle. Aber Reiners gehört mit seinen 36 Jahren wohl eher zu denen ohne Klappe, ebenso sein Publikum. Also jünger. Und manchmal stellt er sich die Frage, wann er so alt sein wird, dass er Autobahnnummern kennt. Denn wenn er auf der Autobahn unterwegs ist, hat er zu keiner Zeit eine Ahnung, wo er ist. Navi ein, Hörbuch an. Dafür weiß er am Ende, wer der Mörder ist. Das Älterwerden beschäftigt ihn, ebenso sein - vom Alter unabhängiger - Hang dazu, Dinge zu verlieren und zu verlegen. Besonders geschickt, wenn es der Wohnungsschlüssel ist. Dafür liefert es ihm eine Steilvorlage für die Kleinkunstbühne, wenn er seinen persönlicher Schlüsseldienst zum Einsatz auf die Bühne holt.

Und weil natürlich das Thema Corona auch nicht fehlen darf, hat Till Reiners neben seinen Gags vom Anfang auch später noch einen Seitenhieb parat für diejenigen, die eher den alternativen Fakten trauen. Das Ereignis kann noch so offensichtlich sein - es gibt immer einen, der das Offensichtliche in Frage stellt. Insgesamt ist es ein pfiffiger und kurzweiliger Abend mit ein bisschen Kabarett und viel Comedy. Und Till Reiners viertes Programm kommt letztlich ganz ohne "Flamingos am Kotti" aus, außer im Titel. Verabschiedet wird er mit kräftigem Applaus.