Angesichts dramatischer Covid-Zahlen werden die Auflagen für Live-Veranstaltungen neuerlich verschärft. Ab Freitag, 19. November, müssen Besucherinnen und Besucher zusätzlich zum Nachweis über Impfung oder Genesung auch noch einen gültigen PCR-Test vorweisen, dessen Abnahmezeitpunkt nicht älter als 48 Stunden sein darf. Wie gehen die Wiener Bühnen und Kinos mit der neuen Situation um?

"Alles ist uns lieber als eine neuerliche Schließung", sagte Bundestheater-Holding-Chef Christian Kircher in einem Interview, die Bundestheater sind demnach auf die neue Verordnung vorbereitet. Erstaunlich finde Kircher aber, dass unter den neuen Umständen weiter Masken nur freiwillig zu tragen sind. "Wir hätten erwartet, dass in der nächsten Stufe die Maskenpflicht kommt", so Kircher.

Spontan wird schwer

"2 G hat - überraschenderweise - bis jetzt reibungslos am Einlass funktioniert", so Christiane Huemer-Strobele, Sprecherin des Theaters in der Josefstadt. "Plus ist natürlich eine weiter Hürde. Manche werden sich ärgern, aber positiv gesehen sollten sich dann alle noch viel sicherer fühlen." Nachsatz: "Ich hätte gut gefunden, wenn man jene mit dem dritten Stich ohne Test hereinlässt, das wäre ja auch ein Anreiz für den dritten Stich."

"Spontanbesuche sind so kaum mehr möglich", meint hingegen Tomas Schweigen, Intendant des Wiener Schauspielhauses, der durch den zusätzlichen Testaufwand "zumindest einen leichten Rückgang" der Besucherinnen und Besucher erwartet. "Die kommenden Wochen werden zeigen, wie groß der Einfluss der neuen Regeln auf die Zahlen tatsächlich sein wird", so Schweigen. Den Mehraufwand bei der Kontrolle schätzt Schweigen als "vernachlässigbar" ein.

"Wir sind auf 2GPlus vorbereitet und tragen das als Team mit", sagt Veronika Steinböck, Leiterin des Wiener Kosmos Theaters. Bisher habe sich auch noch niemand vom Stammpublikum beschwert, so die Intendantin, die dennoch mit einem Rückgang von etwa 20 Prozent rechnet. "Der größte Aufwand aber besteht in der Kurzfristigkeit der Maßnahmen", so Steinböck. Am meisten beschäftige sie derzeit aber ohnehin die Frage, ob die kommenden Premieren wie geplant stattfinden können. Mit dieser Sorge ist die Kosmos-Intendantin leider wohl nicht alleine.

In der Wiener Kinobranche sind die Sorgenfalten indes durchaus tiefer als in der Theaterszene. "Das liegt vor allem daran, dass Kinobesuche sehr oft spontan erfolgen und diese Spontaneität kommt mit der Verpflichtung zum PCR-Test natürlich abhanden", erläutert Cineplexx-Geschäftsführer Christof Papousek die Lage. Der heimische Marktführer am Kinosektor erwartet deshalb dramatische Besucherrückgänge und fordert entsprechende Hilfspakete.

"Besucher verunsichert"

Aber auch die Wiener Arthaus-Kinos finden 2GPlus problematisch: "Es gibt eine große Verunsicherung unter den Kinobesuchern", berichtet Michaela Englert vom Admiralkino. "Wir haben täglich Dutzende Anrufe mit Fragen. Wir gehen von einem extremen Besucherrückgang aus, vor allem, weil die PCR-Teststationen überlastet sind. Ich habe selbst gestern einen PCR-Test gemacht, um zu testen, wie rasch das Ergebnis kommt, und warte noch immer darauf", so Englert. Bei 48 Stunden Gültigkeit bleibt da nur mehr wenig Zeit für den Kinobesuch. "Die Lage wird komplizierter und unübersichtlicher", sagt Englert. "Auch die Rückkehr zu Unterstützungsleistungen wird schwierig, weil es keine direkten Vergleichszeiträume mehr gibt. Insgesamt kennt sich keiner mehr aus, denke ich."

Auch Norman Shetler, Leiter des Gartenbaukinos am Ring, gibt sich nachdenklich. "Privat finde ich es gut, dass man verschärfende Maßnahmen ergreift, aber für die Kinos ist das fatal. Ich denke, mit 2G und Maske wäre es auch gegangen." Shetler rechnet mit Besucherrückgängen, darüber hinaus sei nicht klar, inwieweit die Maßnahmen, die diese Woche erlassen würden, nächste Woche bereits durch weitreichendere ersetzt werden müssten. "Es ist bitter", so Shetler.

Für Michaela Englert ist der Grund für das Chaos vor allem in der "Hü-Hott-Politik" der Regierung zu suchen. "Viele der Lösungen, die derzeit so kurzfristig beschlossen werden, wirken, als wären sie nicht zu Ende gedacht."