So dunkelgrau wie seine Lieder ist die neue Eigenproduktion des Rabenhof Theaters, "Ludwig Hirsch: Happy End", zumindest auf den ersten Blick nicht. Dafür garantiert die Bühne von Michaela Mandel, ein wuchernder "Märchenbuch"-Wald der österreichischen Art, mit ausgestopften Tieren, von denen auch einige an diesem Abend besungen werden. Dafür sorgt auch das routinierte Lichtkonzept, dass diese morbide Landschaft mit rosa "Omama"-Stehlampe in rhythmischen Abständen in blaues, rotes oder oranges Nebellicht taucht.

Aus Anlass des 10. Todestages von Ludwig Hirsch, der heuer seinen 75. Geburtstag gefeiert hätte, hat Rabenhof-Chef Thomas Gratzer eine musikalisch-szenische Hommage zusammengestellt, die den dramaturgischen Bogen von der Kindheit über die "Beziehungsjahre" bis zum großen, schwarzen Vogel spannt. In der musikalischen Leitung von Naked-Lunch-Frontman Oliver Welter interpretieren dieser, Christoph Krutzler, Lucy McEvil und Alf Peherstorfer auf ihre je sehr eigene Art Hirschs todtrauriges Universum.

Dass Gratzer rund die Hälfte der Liedertexte szenisch aufbereitet, ist ein kluger inszenatorischer Kniff, hier kommt Hirschs poetische Kraft am stärksten zur Geltung, wird die gesellschaftspolitische Tragweite seiner Texte mit am deutlichsten. Wenn McEvil gegen Ende des Abends etwa "Moritz" spricht, bleibt der Saal danach für fast eine Minute sprichwörtlich totenstill, wenn Cornelia Köndgen mit "Schutzengel" zart-bittere Grüße an ihren Mann "hinauf" schickt, erreicht der Abend einen weiteren starken Moment, von denen es ziemlich viele gibt.