Stürmische Zeiten haben auch die Wiener Staatsoper erfasst. Auf und hinter der Bühne. Es sei derzeit ein "Kampf um jede einzelne Aufführung", berichtete Direktor Bogdan Roščić vor Vorstellungsbeginn am Mittwoch, ein tägliches Zittern ob man werde spielen können. Bisher sei das immer - gerade noch - gelungen. Der Grund sind neben umfangreicher Test- und Sicherheitslogistik massive krankheitsbedingte Ausfälle und kurzfristige Umbesetzungen.

Bei der aktuellen Spielserie von Wagners "Holländer" mussten drei zentrale Partien (von sechs) neu besetzt werden: Daniel Jenz sang erstmals einen beherzten Steuermann, Jörg Schneider debütierte als kultivierter, jedoch farbloser Erik. Ricarda Merbeth sang eine stimmmächtig schrille Senta, die den maritimen Naturgewalten der Oper locker zu trotzen vermochte. Von der ursprünglichen Besetzung blieben Neo-Ensemblemitglied Noa Beinart als noble Mary, der sonor-solide Franz-Josef Selig als Daland und allen voran ein außergewöhnlich intensiver Titelheld: Bryn Terfel. Wie Terfel diesem scheinbar ewig auf dem Meer Irrenden Seele und Tiefgang, Schmerz und Hoffnung verleiht, ist beeindruckend. Letzteres gilt auch für das Dirigat von Bertrand de Billy. Seine Lesart ist dynamisch und zupackend, ohne dabei zarte Nuancen der Partitur - oder gar die Solisten - zuzudecken. Ob der vielen Einspringer zündeten nicht alle Ideen in der Regie von Christine Mielitz.

Bryn Terfel begeisterte als intensiver Fliegender Holländer. 
- © Staatsoper / Michael Pöhn

Bryn Terfel begeisterte als intensiver Fliegender Holländer.

- © Staatsoper / Michael Pöhn

Dass dieser vielfach stürmische Abend trotz Bemühungen aller Flickwerk blieb, ist weniger den Protagonisten als den Umständen zum Vorwurf zu machen. Wettgemacht werden die musikalischen Abstriche durch einen Umstand: die Freude, dass das Wunder Oper nach wie vor stattfinden kann. Zumindest für den Augenblick. Und ab Freitag mit zusätzlichem PCR-Test.