Vier Vorstellungen fallen dem Lockdown ab Montag zum Opfer, aber einmal wird heute (ab 15 Uhr) noch gespielt im Stadttheater Baden. Einmal noch wirbeln Robin Hood, der Sheriff von Nottingham und all die anderen Figuren aus einer der bekanntesten englischen Heldengeschichten über die Bühne, bevor es in eine dreiwöchige Pause geht. Und auch wenn die Legende jeder kennt, zieht sie einen dennoch immer wieder neu in ihren Bann. In Baden geschieht das mit viel Musik, Tanz und Slapstick.

Prinz John (Artur Orens) in der Goldbadewanne. 
- © Christian Husar

Prinz John (Artur Orens) in der Goldbadewanne.

- © Christian Husar

Es beginnt mit einer wilden Rauferei, die schon einmal die Richtung vorgibt, die der weitere Nachmittag im Badener Sherwood Forest nehmen wird. In mittelalterlich angehauchten Kostümen (Elke Steffen-Kühnl) wird vor einem modularen Bühnenbild, das ständig in Bewegung ist (Alexia Redl), wird viel gesungen, getanzt, gekämpft, geliebt, geraubt, gewitzelt und auch gebetet – für Letzteres sorgt Bruder Tuck (Rupert Bergmann), dessen Pilzragout das Herz von Maid Marians Gesellschafterin Lady Wilma Sylvia Rieser) erobert. Beppo Binder macht aus seinem Sheriff von Nottingham einen richtigen Fiesling mit offensichtlichem Minderwertigkeitskomplex, der nur von Prinz John übertroffen wird. Er könnte einem trotzdem fast leidtun angesichts der vielen Armleuchter in Soldatenuniform, die ihn umgeben. Seine beiden Leibwächter heißen nicht umsonst Clever und Smart (Martina Riegler und Michael Duregger).

In zahlreichen Balletteinlagen beweist Little John (Florian Resetarits), der Größte im Ensemble, als Primo Ballerino, dass sich auch ein langer Lackel grazil bewegen kann. Artur Orens gibt einen dekadenten und verweichlichten Prinz John, der sich in der Goldbadewanne durch den Sherwood Forest tragen lässt, der abgeholzt werden soll, um mitten im Wald ein Traumschloss als Hochzeitsgeschenk für Lady Marian zu errichten, die er in eine Ehe zwingen will. An dieser Stelle kommt neben den Themen Ungleichheit und Ungerechtigkeit auch Umweltschutz ins Spiel. Und für Aufmerksame ist auch ein bisschen Inklusion – in Form des stummen Allan van Dale (Helmuth Lang) – mit dabei.

Eine von vielen Tanzeinlagen des Balletts der Bühne Baden, hier mit Rupert Bergmann (Bruder Tuck). 
- © Christian Husar

Eine von vielen Tanzeinlagen des Balletts der Bühne Baden, hier mit Rupert Bergmann (Bruder Tuck).

- © Christian Husar

Maid Marian (Ulrike Figgener) genießt zwar ihre Entführung durch Robin Hoods Spießgesellen, braucht aber eine gewisse Auftauphase, bis sie mit dem König der Diebe warm wird. Vorher erklärt sie ihm aber noch Marxismus und Emanzipation. Und sie erweist sich als die eindeutig Stärkere, die ihm haushoch überlegen ist. Und Robin Hood (Matthias Trattner) selbst? Der ist ein obercooler Typ, der allerdings auch an seine Grenzen stößt und dabei das Glück hat, dass König Richard Löwenherz (Alexander Rapp) rechtzeitig auftaucht.

Und wieder einmal hat der Sheriff (Beppo Binder) versagt. 
- © Christian Husar

Und wieder einmal hat der Sheriff (Beppo Binder) versagt.

- © Christian Husar

Robert Perschés Bearbeitung – er hat die Musik komponiert, gemeinsam mit Walter Raidl den Text geschrieben und inszeniert das Ganze – macht von Anfang bis Ende Spaß, auch weil es so viel zu lachen gibt, weil viele Wortspiele und Seitenhiebe für Kleine und Große eingebaut sind. Seine schwungvollen Lieder (Musikalische Leitung: Michael Zehetner, Arrangement: Christian Seisel), gespielt vom Orchester der Bühne Baden gehen leicht ins Ohr. Und das Ballett der Bühne Baden sorgt für unterhaltsame Szenen. Beeindrucken ist auch die Authentizität auf der Bühne: Hier wird nicht nur echtes Wasser vergossen, sondern auch mit Pfeilen scharf geschossen. Das sorgt für aufregende Momente. Und so vergeht die Zeit wie im Flug, während Robin Hood den Reichen nimmt und den Armen gibt, der Sheriff ihn vergeblich jagt und Prinz John nicht nur durch ständige neue Frisuren für einen abwechslungsreichen Nachmittag in der Jungen Bühne Baden sorgt. Die Standing Ovations am Ende der Premiere am Samstag sind hochverdient.