Das Mailänder Publikum fiebert einem der Kulturhighlights des Jahres entgegen. Am Dienstag wird die Scala-Saison mit Giuseppe Verdis "Macbeth" eröffnet. Der italienische Bariton Luca Salsi übernimmt die Titelpartie, die Sopranistin Anna Netrebko spielt die "Lady Macbeth". Der italienische Regisseur Davide Livermore inszeniert das Drama in einem zeitgenössischem Umfeld.

"Macbeth ist ein Drama von Macht und Blut, das sehr aktuell ist. Wir Schauspieler tragen Kleidung von heute, wir hantieren aber mit antiken Waffen", berichtete Luca Salsi im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" (Montagausgabe). Macbeth sei das höchste Emblem ungezügelter Macht. "Er ist ein Krieger, stark im Kampf und schwach im Leben. Er wird von einem Strom von Blut und Wahnsinn überrollt. Er verliert alles, Respekt, Ehre und die Frau, die seine Komplizin war. Macbeth ist ein Verlierer", so Salsi.

Scala-Musikdirektor Riccardo Chailly leitet zum achten Mal die Saisoneröffnung. "Seit einem Jahr planen wir die neue Saison, was bis jetzt sehr kompliziert war. Macbeth sollte den definitiven Neustart für die Scala bedeuten", sagte Chailly im Interview mit der von Rai gesendeten Talkshow "Che tempo che fa" am Sonntagabend.

"Wenn man sieht, dass so viele große Theater geschlossen sind, wie die Wiener Staatsoper, München, Dresden, Leipzig, dann muss ich sagen, dass wir Glück haben. Es ist ein kleines Wunder, diese Premiere aufführen zu können", sagte Scala-Intendant Dominique Meyer bei der Vorstellung der Premiere..

"Macbeth" wurde bereits vier Mal bei Scala-Saisoneröffnungen aufgeführt, zuletzt im Jahr 1997. Mit der diesjährigen Produktion schließt die Scala die Trilogie von Verdis Jugendopern, nachdem in den vergangenen Jahren bereits die Scala-Saison mit "Giovanna d'Arco" und "Attila" eröffnet wurde. Die Premiere wird live von RAI 1 übertragen.

Mit "Macbeth" feiert die Scala ihre 70. Premiere am 7. Dezember, Tag des Heiligen Ambrosius, dem Schutzpatron der Stadt Mailand. Vor dem Jahr 1951 wurde die Scala-Saison traditionsgemäß am 26. Dezember eingeweiht. Im vergangenen Jahr war die traditionelle Saisoneröffnung wegen der Pandemie mit der Premiere einer Oper für das Fernsehpublikum und im Videostream ersetzt worden.

Die bis zu 3.000 Euro teuren Karten für die Aufführung waren in wenigen Stunden ausverkauft. Zu den Stargästen des Abends zählen der italienische Präsident Sergio Mattarella, Kulturminister Dario Franceschini und der Modepapst Giorgio Armani.(apa)