Fantasievoll, entwaffnend ehrlich und ungestüm: Anne ist ein definitiv außergewöhnliches Mädchen. Der rothaarige Wildfang ist schon in jungen Jahren mit ziemlichen Herausforderungen konfrontiert. Wie sie diese mit Herz, Hirn und Humor meistert, hat Autorin Lucy Maud Montgomery in ihrem mehrfach verfilmten Roman "Anne of Green Gables" ausgeschmückt. Regisseur und Direktor Thomas Birkmeir hat mit dem Komponisten Gerald Schuller aus dem Klassiker für das Theater der Jugend ein flottes Bühnenstück gestrickt, das bunt schillernd irgendwo zwischen romantischem Musical, Rap-Revue in Versform und Sprechtheater angesiedelt ist.

Das junge, energiegeladene Ensemble - rund um jugendlich bezaubernde Victoria Hauer in der Titelpartie - tanz, singt und rappt sich durch die knappen zwei Stunden. In wechselnden Rollen sind sie einmal überdrehter Nonnenchor, verängstigte Waisenkinder oder besorgtes Bürgertum. So viel wandelbare Spielfreude ist schlicht erfrischend. Am Ende siegen Freundschaft, zarte Liebe und die unbändige Freude an der jugendlichen Selbstermächtigung.

Fehlen auch hier nicht: Aufgekratzte singende und tanzende Nonnen. - © TdJ / Rita Newman
Fehlen auch hier nicht: Aufgekratzte singende und tanzende Nonnen. - © TdJ / Rita Newman

Die vielen Musical- und Show-Elemente, die ein oder andere Portion Kitsch garniert mit einer Handvoll Kalender-Weisheiten dringen vielleicht nicht in jede poetische Tiefenschicht des Stoffes ein. In Tagen wie diesen ist das jedoch nicht einmal unbedingt ein Nachteil.