Erst hat sie kein Glück, dann kommt auch noch Pech dazu: Die Tragödie der Thérèse Raquin folgt, grob verkürzt, einem berüchtigten Fußballer-Bonmot. Die Schmerzensfrau aus der Feder von Emile Zola (verfilmt mit Simone Signoret) wächst unter der harten Hand einer Tante auf und muss deren siechen Sohn Camille nicht nur pflegen, sondern heiraten. Tröstlich zwar: In dem Haus geht auch der Feschak Laurent ein und aus, und der verkehrt schon bald (sehr intim) mit Thérèse. Doch was als Frustventil beginnt, setzt eine Katastrophe in Gang, die vom Mord am Liebeshindernis Camille über monströse Schuldgefühle bis zum gewaltsamen Tod des Paares führt.

Tobias Picker, 1954 in New York geboren, hat daraus eine Oper nach dem Gusto des US-Markts gezimmert: Seine "Thérèse" müht sich, der vertrauten Dur-Moll-Welt im Gefolge des Verismo sehnsüchtige Kantilenen abzuringen. Doch dieser Musik fehlen, anders als der Handlung, die Höhepunkte. Immer wieder will sie (gespielt in der Kammerversion von 2006) aufblühen und abheben, gelangt aber nicht über ein gesichtsloses, geschwätziges Klanggeschehen hinaus. Und sie klingt auch nicht prägnanter, wenn sich der Dissonanzanteil nach der Pause steigert. Regisseur Christian Thausing siedelt die Tragödie in einer schäbigen Wohnküche (Christoph Gehre) an, in der anfangs detailfreudig agiert wird. Doch das ändert sich mit dem Aufkommen von Sexszenen, die mit Vollkörpereinsatz in Klischees schwelgen. Nach dem Mord kaum noch Finesse: Der Haushalt, nun Sinnbild einer kaputten Welt, spricht in groben Gesten dem Bier zu.

Nur kurz obenauf: Julia Mintzer (Thérèse) über Timothy Connor (Laurent). 
- © Herwig Prammer

Nur kurz obenauf: Julia Mintzer (Thérèse) über Timothy Connor (Laurent).

- © Herwig Prammer

Wie ein Raubtier in Bedrängnis

Immerhin: Timothy Connor, eine Art Stanley Kowalski mit Wuchtstimme, begeistert als Laurent im soliden Ensemble, Einspringerin Julia Mintzer (Thérèse) vermittelt die Verzweiflung eines in die Enge getriebenen Raubtiers und das Wiener KammerOrchester unter Jonathan Palmer Lakeland lässt Schmerzensklänge dröhnen, die zeitweise eine mäßige Opernqualität vergessen lassen.