Der Hahnenschrei am Beginn der Ouvertüre ist nicht zu überhören, und auch sonst kräht und gackert es nicht wenig in der Partitur von Jaromir Weinbergers Oper "Schwanda, der Dudelsackpfeifer". Dessen ungeachtet kräht heute kein Mensch mehr nach dieser Oper, die nach ihrer Uraufführung 1927 ein großer Erfolg war.

Als Wunschkonzert-Nummer hat nur ein kurzes Orchesterstück überlebt, die berühmte Polka. In der Grazer Oper erinnert man sich nun an diese für kurze Zeit so richtig populäre "Volksoper" aus Böhmens Hain und Flur - und siehe da: Es ist ein so recht vergnüglicher Opernabend geworden. Auch wenn man danach sehr genau weiß, warum der "Švanda dudák" nicht mehr zum Kanon gehört. Der Protagonist Schwanda ist ein Erzmusikant. Mit seiner Frau Dorotka lebt er am Bauernhof - bis der Räuber Babinský hereinschneit und den arglosen Schwanda zu einem Höhenflug überredet: Das eingefrorene Herz einer Königin mit Dudelsackmelodien aufzutauen, ist eine reizvolle Herausforderung. Gelingt auch, und beinah entwickelt sich eine Liebesgeschichte zwischen dem Musikanten und der Königin, aber da tritt Dorotka auf den Plan, um deren durchaus hitziges Herz sich Babinský (un-)redlich bemüht. Schließlich hilft Babinský doch, den unterdessen vom Teufel geholten Schwanda wieder in die Oberwelt und zurück auf den Hühnerhof zu holen. Den Räuber Wenzel Babinský hat es übrigens wirklich gegeben. Er gilt als tschechischer Robin Hood.

Und der Komponist Jaromir Weinberger (1896-1967)? Der war ebenso schnell weg vom Fenster wie sein "Švanda dudák", als die Nazis das Regime übernahmen. Im amerikanischen Exil konnte er nicht Fuß fassen und verübte in Florida Suizid. "Glanzvolle Eintagsfliege", urteilte einst Marcel Prawy etwas boshaft über den "Švanda dudák". Die Musik klingt einmal so, als ob Hindemith Friedrich Smetana paraphrasierte, dann wieder, als ob Richard Strauss hinterlistig Dvořáks "Rusalka" verulkte. Oder als ob Puccini nach tschechischem Lokalkolorit suchte. Janáček geistert sowieso auch durch diese Partitur. Sie ist prall gefüllt mit hübschen folkloristischen Melodien, und es findet sich in ihr doch letztlich eine charakteristische Handschrift. Jaromir Weinberger hatte den Ehrgeiz, den Volkston immer wieder zu konterkarieren. Aufs Fugenschreiben hat er sich verstanden.

Robert Jindra dirigiert die Grazer Produktion. Es ist auffallend, wie sanft-, gar schwermütig manches rüberkommt. Dazu lässt sich jedenfalls herrlich singen, und es bleibt Energie für fein durchgearbeitete Ensembles. Matthias Koziorowski hat einen leuchtenden, ur-kräftigen Tenor für den "Spielmacher" Babinský. Der lyrisch-zurückhaltende Petr Sokolov passt haargenau zum Rollenprofil des arglosen Schwanda. Polina Pastirchak ist eine so natürliche wie durchsetzungskräftige Dorotka. Ester Pavlu zeigt viel Wandlungsfähigkeit im Mezzosopran-Chroma als Königin, die den Schwanda vom Fleck weg heiraten möchte. Wie wird man dem Stück in der Regie gerecht? Dirk Schmeding hat es auf einer Revue-Bühne angesiedelt. Da ist wirklich viel los, und das schadet keineswegs, wenn so kernig gesungen und musiziert wird. Übrigens hat man aus gutem Grund der musikalischen Qualität der Ende-nie-Ouvertüre misstraut und sie mit Video-Spielereien aufgemotzt. Sieht aus, als ob einer dem Moorhuhn-Spiel zu einem Revival verhelfen möchte.