Mutig ist Martin Schläpfer allemal. Beim diesjährigen Neujahrskonzert auf fließende und vor allem opulente Kostüme zu verzichten, und manche Tänzer barfuß zu Walzerklängen so überhaupt nicht walzen zu lassen, dazu gehört wirklich artistische Courage.

Schläpfer, der Direktor und Chefchoreograf des Wiener Staatsballetts, kreierte erstmals für das Neujahrskonzert und blieb auch im Walzerstück von Johann Strauß "Tausend und eine Nacht" op. 346 seiner choreografischen Handschrift treu. Unterstrichen wird diese von den Kostümen des in Mailand lebenden österreichischen Modedesigner Arthur Arbesser, der sich unter anderem von den unterschiedlichen Persönlichkeiten der Tänzer inspirieren ließ, sagte er im Vorfeld. Ein Merkmal von Schläpfers Werken, das die Individualität der Künstler hervorhebt. So nun auch hier: Bereits Anfang September 2021 in der TV-Regie von Michael Beyer aufgezeichnet, tanzen zehn Mitglieder des Ensembles in äußerst individuellen Kostümen und Tanzstilen in der Schloss- und Gartenanlage von Schönbrunn.

Rebecca Horner zeigt zeitgenössische Körperbeherrschung. - © ORF / Günther Pichlkostner
Rebecca Horner zeigt zeitgenössische Körperbeherrschung. - © ORF / Günther Pichlkostner

Rebecca Horner etwa - in Rastazöpfchen und grünem Seidenkleid - zeigt barfuß ihre Körperbeherrschung, während Ioanna Avraam in zartem Blau und Spitzenschuhen Eleganz vermittelt. Schlicht ist diese Inszenierung des Staatsballetts. Ein Understatement Schläpfers, das mit der Musik der Philharmoniker und dem prächtigen Drehort etwas zu bescheiden wirkt und wohl wenigen in Erinnerung bleiben wird. Die zweite Ballettnummer beim Neujahrskonzert, die traditionelle Polka, wurde heuer durch das "Ballett der Weißen Pferde" der Spanischen Hofreitschule ersetzt. Schade, denn mit einer humorigen Polka hätte Schläpfer punkten können.