Ein Gericht in Neapel muss über die Auslieferung nach Russland eines ukrainischen Regisseurs entscheiden, der am 17. Dezember in der süditalienischen Stadt festgenommen worden ist. Der 39-jährige Regisseur Eugene Lavrenchuk, der mehrere Jahre lang in Moskau gearbeitet hat und unter anderem Leiter des Opernhauses in Odessa war, ist aufgrund eines von Russland erlassenen Haftbefehls wegen Geldunterschlagung festgenommen worden, berichtete die Tageszeitung "La Repubblica".

Lavrenchuk berichtete, seit der "Invasion" der Schwarzmeer-Halbinsel Krim seitens Russland sei er wegen seiner politischen Ansichten von den russischen Behörden verfolgt worden. Sein Fall mobilisiert ukrainische Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle. "Freiheit für den talentierten Regisseur, er verdient es, frei zu leben", heißt es in der Facebook-Gruppe "Free Eugene Lavrenchuk".

Mitte Dezember verließ Lavrenchuk Tel Aviv mit einem Direktflug nach Kiew. Sein Flug hatte Verspätung und er war gezwungen, ein Zimmer in einem Hotel in Neapel zu buchen. Doch als seine Unterlagen vom Hotel an die Polizei geschickt wurden, stellte sich heraus, dass nach dem 39-jährigen Regisseur gefahndet wurde. Die russischen Behörden warfen ihm Geldunterschlagung vor, für die er sich angeblich zwischen November 2013 und Februar 2014 verantwortlich gemacht hatte, als er das polnische Theater in Moskau leitete. Er wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Plädoyer gegen Auslieferungsersuchen

Der Regisseur wurde festgenommen und ins Gefängnis von Neapel gebracht. Sein Anwalt Alfonso Tatarano setzte sich mit dem ukrainischen Generalkonsul in Verbindung und begann, den Akt zu studieren. Am 20. Dezember erschien Lavrenchuk, wie gesetzlich vorgeschrieben, vor einem Gericht in Neapel zu einer Anhörung, in der er sich offiziell gegen das Auslieferungsersuchen aussprach.

Vor dem Richter erzählte er seine Geschichte und behauptete, er werde wegen seiner politischen Opposition zur Besetzung der Krim durch Russland politisch verfolgt. In Italien hat Lavrenchuk keine Bekannte und kann daher einen möglichen Antrag auf Haftentlassung nicht mit einem Wohnsitz verbinden. Als Rechtsanwalt Tatarano ihn im Gefängnis traf, sagte er ihm, er habe keine Probleme in der Haft. Er bat den Anwalt, seine Mutter zu informieren, dass er wohlauf sei. (apa)