Die Bühne ist ein Fadenspiel - dieses Motto stellt die Autorin Enis Maci ihrem jüngsten Stück "Bataillon" voran, das nun im Schauspielhaus zu sehen ist. Bei Fadenspielen geht es darum, gemeinsam aus einem Fadengewirr möglichst viele Figuren zu bilden, die schier endlos zu immer neuen Mustern verbunden werden können. Der Jahrtausende alte Zeitvertreib ist in vielen Kulturen bekannt.

Das Fadenspiel als Denkmodell, bei dem Fakt und Fiktion formschön miteinander verschlungen werden, schlägt nun Cyborg-Vordenkerin Donna Haraway in ihrem Buch "Unruhig bleiben"(2018) vor. Aus dieser radikalen Öko-Ethik dürfte die Kultursoziologin Maci die These übernommen haben, dass die Zukunft der Menschheit in einer neuen Form des Miteinanders und Mit-Werdens zu finden sei.

Denn ein neuartiger Gemeinsinn, ein neu zu formatierendes "Wir" ist gleichsam Dreh- und Ankerpunkt von "Bataillon": Eine Gruppe von Frauen, im Stück bezeichnet als "Eine", "Andere" und "Anderere", verstrickt sich in ein wildes Erzählknäuel, in dem historische Persönlichkeiten wie das verkannte Mathematik-Genie Ada Lovelace (1815-1852) auf mythologische Figuren wie Penelope treffen; die ukrainischen Frauen, die Tarnanzüge für die Soldaten nähen, kommen dabei genauso zu Wort wie Monika Lewinsky, die hier als fingierte Friseurin einen Parade-Auftritt hinlegt und mit dem Sexismus "alter weißer Männer" aufräumt.

Denkangebote

Wie in zahlreichen zeitgenössischen Theatertexten geht es auch in "Bataillon" nicht um eine nacherzählbare Geschichte, vielmehr um Denkangebote, die hier vor allem um einen feministischen Gemeinsinn kreisen.

Regisseurin Milena Michalek verteilt den Textfluss geschickt auf fünf Akteurinnen: Vera von Gunten, Clara Liepsch, Sophia Löffler und Karola Niederhuber tragen blaue Arbeitskittel, inspiriert von Designerin Rei Kawakubo und ihren spektakulären Comme-de-Garçcon-Entwürfen deformieren sie absichtsvoll die Körper; die vier bilden eine Art Arbeitsgemeinschaft und führen in einer Abfolge von Chor, Rede und Gegenrede etwas zu routiniert durch den Text, Anne Kulbatzki ist für performative Irritationen zuständig.

Die 90-minütige Inszenierung nimmt immer dann Fahrt auf, wenn sich die Regie von der schieren Text-Wiedergabe löst, einige Male kommen dabei äußerst komödiantische Sprachspiele zum Zug. Mehr davon.