Wie bitte? "Medea" als Stück für Kinder ab zehn Jahren? Die wohl erschreckendste Bühnenfigur der Theatergeschichte, die Kindsmörderin als Jugendstück im Theater Rabenhof?

Entwarnung! Regisseur Roman Freigaßner-Hauser, der in der Gemeindebaubühne in Erdberg schon einige antike Dramen mit Verve und Elan umsetzte, findet erneut einen gelungenen Zugriff auf den tradierten Stoff.

Vieles von Medeas Sündenregister kommt sogar vor: Man sieht, wie sie ihren Vater hintergeht, um für Jason das Goldene Vlies zu stehlen, der Konflikt mit König Peleas wird märchenhafter gestaltet als aus der Dramenliteratur bekannt, dafür beendet Freigaßner-Hauser das Stück, lange bevor es zu den schrecklichen Morden kommt. Das entspricht zwar nicht dem Mythos, ist aber eine wesentlich frauen- und fremdenfreundlichere Lesart.

Das vierköpfige Ensemble (Saskia Klar, Okan Cömert, Regis Mainka und Ingo Paulick) jagt mit Spielfreude durch die knapp 90-minütige pointenreiche Aufführung. Michaela Mandels Bühne besteht vor allem aus strahlendblauem Himmel und Julia Klugs Kostüme haben etwas von einem Ethno-Karneval. "Medea" ist vielleicht nicht Freigaßner-Hausers beste Arbeit, aber allemal ein vergnüglicher Theaterabend.