Es ist die Zeit der Wiener Bälle Mitte des 19. Jahrhunderts. In großer Robe treffen einander vier Tanzpaare, Sängerinnen und Sänger sowie zwei Pianisten auf der Bühne, die sich mit Johannes Brahms’ "Liebeslieder-Walzern" op. 52 und "Neuen Liebesliedern" op. 65 in einen Ballsaal verwandelt. Der US-amerikanische Starchoreograf George Balanchine (1904-1983) hat mit "Liebeslieder Walzer" eine Hommage an den Wiener Walzer im Jahr 1960 für das New York City Ballet kreiert. Es ist beinahe eine Pflicht, dieses Ballett auch an der Staatsoper mit dem Wiener Staatsballett zu zeigen. Bereits zwischen 1977 und 1991 gehörte das Stück zum festen Repertoire der Kompagnie, und es kehrt nun - gemeinsam mit "Other Dances" von Jerome Robbins und "Concerto" von Lucinda Childs - am 14. Jänner in einer Neueinstudierung zurück.

Die Grammatik des Balletts

"Balanchines Bewegungen sind sehr homogen und Teil der Musik. Stilistisch ist dieses Werk äußerst unterschiedlich im Vergleich zu seinen Stücken, die ich bereits kennengelernt habe", beschreibt Elena Bottaro das Ballett, das sie zurzeit mit ihrem Tanzpartner Denys Cherevychko probt. Da gäbe es eine besondere Poesie, schwärmt die Italienerin.

Elena Bottaro. - © Andreas Jakwerth
Elena Bottaro. - © Andreas Jakwerth

Die in der Ballettakademie der Mailänder Scala ausgebildete Tänzerin ist bereits seit 2014 Mitglied des Balletts, 2019 avancierte sie zur Solistin. Balanchines neoklassische Tanztechnik passe gut zu ihr, als eine Herausforderung verstehe sie diese nicht. Denn: "Ich möchte es nicht als Herausforderungen oder Challenge bezeichnen, denn für mich hat das immer den Beigeschmack, als müsste ich gegen etwas kämpfen. Und ich muss gegen nichts und niemanden kämpfen", sagt Bottaro überzeugt. Vielmehr habe sie die Freiheit, den Tanz zu erforschen und zu recherchieren. "Tanz wird sehr oft unterschätzt, denn es steckt auch viel Tiefsinniges darin, dass es zu erarbeiten gilt." Die Grammatik des Balletts sei sehr komplex und es sei nicht immer einfach, das, was man mitteilen möchte, klar und authentisch mithilfe der Bewegung auszudrücken. Trotz dieser Schwierigkeit ist Bottaro während des Tanzens in den Moment und in ihre "Sinneswelt versunken". "Ich habe noch nie hinterfragt, weshalb das so ist. Ich genieße es einfach und lebe es. Das ist für mich Tanz und ich kann mich glücklich schätzen, dass es auch mein Job ist", so die junge Künstlerin.

Bottaro versucht, die aktuelle Arbeit zu 100 Prozent auszukosten. Denn alle Rollen, die sie gerne darstellen wollen würde, werde sie nicht tanzen können: "Das sind viel zu viele. Das erlebe ich nicht!", antwortet sie lachend. Auf einen bestimmten Tanzstil möchte sie sich nicht festlegen: "Das ist mir nicht wichtig. Die Rollen, die ich tanzen möchte, sind Teil von Meisterwerken, die ich aufgrund ihres Zusammenspiels von Musik und Choreografie bewundere." Und es würden natürlich immer wieder neue Stücke dieser Art entstehen, in die sie eintauchen könnte. Wie auch in Balanchines Spiel mit der Liebe: In "Liebeslieder Walzer" wird Bottaro mit Cherevychko Emotionen mit poetischer Bewegung verknüpfen.