Wie will frau ihren 60. Geburtstag begehen? Dieses empfindliche Jubiläum will gut überlegt sein. Ein Tipp, den man aus "Die große Show" mitnehmen kann: die Organisation der Feierlichkeiten lieber nicht einer Jüngeren überlassen. "Die große Show" ist die jüngste Premiere des Aktionstheater Ensembles und setzt auf der leer geräumten Bühne im Werk X Meidling den 60. Geburtstag einer gewissen Susanne in Szene.

Die Performerin Susanne Brandt verkörpert die Jubilarin, die jede, wirklich jede Peinlichkeit, mit der sie im Lauf der 70-minütigen Aufführung konfrontiert wird, mit Grandezza quittiert. Michaela Bilgeri führt wie eine Conférencière durch die Show, die zunehmend entgleist.

Nicht ohne Prosecco

Vom Nibelungenlied bis zu Chansons von Jacques Brel (großartig: Benjamin Vanyek), von "Gipsy-Jazz" bis zu tatsächlich verblüffenden Zaubertricks von Raphael Macho, geht es in dieser Geburtstagsshow hoch her. Susanne Brandt wird mit Prosecco und bösen Witzen zum Älterwerden abgefüllt. Regisseur Martin Gruber spricht in dieser eher melancholischen Performance manche Aspekte rund um das Älterwerden und damit einhergehender Verluste an, ohne etwas platt auszuerzählen. Zu den Höhepunkten der Aufführung zählen Elias Hirschls Gegenwartsbetrachtungen. Wie der 27-jährige Wiener Autor in seinem Kurzauftritt den Aufruf zum Blutspenden mit einer Anklage der Impfgegner zu verquicken weiß, ist beste Satire.