Kaum einem Genre hat sich toxic dreams noch nicht gewidmet, und auch die Bandbreite der Themen, mit denen sich die Gruppe auseinandersetzt, ist beachtlich. Allein in den letzten Monaten waren es die Überschreibung eines Bestsellers, eine semiautobiografische performative Theaterreflexion und eine Videoinstallation über das Bühnennachleben ikonografischer Theaterfiguren, die es sogar zur Nominierung für den Corona-Spezialpreis 2021 brachte.

Nun widmet sich Co-Gründer, Autor und Regisseur Yosi Wanunu dem brisanten Thema des Amoklaufs von Schülern und versetzt seine Untersuchung über jugendliche Vereinsamung, Ausgrenzung, Langeweile, über wachsende Aggression und Ausweglosigkeit in eine "Mittelklasse"-Schule - und ins Musical-Setting. Fünf als "schwierig" geltende Schüler stehen dabei im Mittelpunkt, denen ein neuer Lehrer auch neue Perspektiven anbieten soll. Doch der schlägt ganz andere Töne an und fordert die Jugendlichen auf, ein "Manifesto" zu verfassen, in dem sie die Hintergründe und Gründe darlegen, warum es für sie keine andere Lösung als den Mord an ihren Mitschülern geben kann, in dem sie persönliche Situationen ihres durchwegs trüben Lebens referieren und ein letztes Statement abgeben.

Die vor allem an Anders Behring Breiviks 1.500-Seiten-Manifest angelehnte dystopische Zitatensammlung wird von Martin Siewert musikalisch variationsreich begleitet, wenn auch immer mit jenem düster-metalligen Grundsound, der über der hervorragend besetzten Inszenierung schwebt. Wer sich angesichts der Gattungswahl einen refrainlastigen Herzschmerzabend visioniert, liegt eindrücklich falsch.