Es sind zwei dankbare Themen, die Gérard Bitton und Michel Munz für ihr 2010 in Paris uraufgeführtes Kammerlustspiel "Meine rosarote Hochzeit" aufgegriffen haben: Da ist zum einen der Aspekt, dass ein mitteljunger Lebemann heiraten muss, um das Millionenerbe seiner Tante anzutreten. Und zum anderen die Geschichte zweier heterosexueller Freunde, die sich als schwules Paar ausgeben. Beides kennt man schon aus anderen (Film-)Komödien. Hier ist es Henri de Sacy (Leopold Dallinger), Adelsspross und Frauenheld, der dem Ratschlag seines windigen Anwaltsfreundes Norbert (Martin Gesslbauer) folgt und auf dem Papier Dodo (Oliver Hebeler), einen erfolglosen Schauspieler, der noch daheim wohnt, heiratet.

Warum? Weil eine Scheinehe zwischen zwei definitiv nicht schwulen Männern, noch dazu seit zwanzig Jahren befreundeten, sicher nicht zu irgendwelchen amourösen Komplikationen führt. Und wenn sie ein Jahr durchhalten, kann Henri die Million einstreifen, sich von Dodo wieder scheiden lassen - und sogar in der Zwischenzeit wie gewohnt eine Frau nach der anderen daten. Es sollte halt bloß nicht an die große Glocke gehängt werden, dieses pikante Arrangement.

Leila Strahl, Reinhard Hauser, Leopold Dallinger, Oliver Hebeler und die Frage des Abends: Wo bekommt man Einhorn-Leggings für Männer? - © allegria.at / Rolf Weik
Leila Strahl, Reinhard Hauser, Leopold Dallinger, Oliver Hebeler und die Frage des Abends: Wo bekommt man Einhorn-Leggings für Männer? - © allegria.at / Rolf Weik

Nun, man ahnt, dass dieser Plan natürlich gehörig in die Hose gehen wird (aber nicht unter die Gürtellinie). Denn erstens lebt sich Dodo allzu sehr in seine neue Rolle als Ehe- und Hausmann ein, was eher früher als später zum Ehekrach führt; zweitens ist da noch Henris stockkonservativer Vater (Reinhard Hauser), der von all dem nichts weiß - aber sein eigenes pikantes Geheimnis hat; und drittens kommt dann auch noch eine Frau ins Spiel, mit der das Chaos perfekt wird. Es wird peinlich, hochnotpeinlich. Ihre Rolle als Henris Freundin Sylvie, die plötzlich mit Scheinehemann und doppeltem Schwiegervater konfrontiert wird, verlangt Leila Strahl einiges ab an komischem Gehabe. Hauptleidtragender der Handlung ist allerdings Oliver Hebeler, der wahlweise in Einhorn-Leggings oder Schweinekostüm (einem Überbleibsel von Dodos Schauspielkarriere) den Naivling gibt, der Norberts Windigkeit locker wieder wettmacht.

Vieles ist erwartbar in dieser gefälligen Verwechslungskomödie, und doch schaffen die Autoren immer wieder neue Steigerungen. Platte Kalauer wechseln sich ab mit kleinen, feinen Pointen in einem Wohnzimmer, das so eingerichtet ist, wie sich heterosexuelle Männer vorstellen, dass Schwule wohnen. Klischee, Klischee - und zwischen den Zeilen auch durchaus ernsthafte Gesellschaftskritik zum Thema Toleranz und Akzeptanz. 18 Monate hat es wegen Corona gedauert, bis der ersten Probe nun endlich die Premiere im Wiener Theater Center Forum folgen konnte. Das Warten hat sich gelohnt.•