Eine Rose warf Hamakom-Leiterin Ingrid Lang auf den leeren Platz zwischen den zum Applaus aufgereihten Schauspielerinnen. Sie galt Michael Gruner, dem vergangenen Oktober verstorbenen Regisseur. Schon vor knapp zwei Jahren stand seine Produktion "Herbst der Untertanen" hier auf dem Spielplan. Er hat die österreichische Erstaufführung noch fertiginszeniert, die Premiere aber nicht mehr erlebt. So bittere Blüten treibt die Pandemie in der Kultur.

Das Stück der für den Generationenroman "Das achte Leben (Für Brilka)" bekannten georgisch-deutschen Autorin Nino Haratischwili handelt von den Machtspielen dreier Hausangestellten, deren Herrschaften sich im Zuge eines Bürgerkrieges aus dem Staub gemacht haben. Rina, die Alte (Christine Dorner), ist überzeugt, dass sie zurückkehren werden, und hält verbissen die Hierarchie aufrecht. Kaela, die Mittlere (Katharina Schumacher), provoziert Rina unaufhörlich, zur Verzweiflung der jungen Geflüchteten Luci (Tonia Fechter), die immer zu ihrer Schwester will.

Irres Lachen

Mühelos vermitteln die kalten, edlen Räume die Atmosphäre der Zurückgelassenen. Für deren Schicksale kann man sich aber dennoch nicht so recht erwärmen. Zu befremdlich, wenn auch faszinierend, wirkt das expressive Spiel: das irre Lachen, die hochgerissenen Hände, das Wehklagen, die feuchten Augen und noch feuchteren "T"s. Man fühlt sich wahrlich in eine andere Zeit katapultiert. Kaum hat man sich dort zurechtgefunden, ist das Stück vorbei.