Weißer Stoff ist auf der sonst in Schwarz gehüllten Bühne so drapiert, dass er mit einem kleinen Licht angeleuchtet einer enormen Bergkette gleicht. In Miniatur natürlich. Aus dem Dunkel schält sich nach und nach ein Performer (Freddy Houndekindo) heraus - mit einem roten Ganzkörperanzug bekleidet. Manchmal diabolisch wirkt er auf einen langen Stock ein, den er als Ruder, langen Hebel oder Mikrofon benutzt, um den Bergen etwas - für den Zuschauer Unverständliches - zuzuflüstern oder zuzusingen.

Im Lauf der Performance "On Earth I’m Done: Mountains", die am Wochenende im Tanzquartier Wien Premiere hatte, wird Houndekindo diese Berge aus Stoff noch in Besitz nehmen, sie malträtieren aber auch liebkosen, oder auch benützen, um Jefta van Dinthers Choreografie ins rechte Licht zu rücken. Houndekindo ist alles in einer Person: die Menschheit, der Teufel und vielleicht eine Gottheit der Berge. Die Inszenierung des Choreografen der renommierten Cullberg-Kompagnie lässt Figuren, Bilder und Assoziationen frei entfalten, und fordert diese ein, um sie zu der Kernaussage des Stücks zu leiten: eine Auseinandersetzung über das komplexe Verhältnis von Mensch und Natur, von Natur und Kultur.

Beeindruckt verlässt man die Halle G. Der zweite Teil des "On Earth I’m Done"-Diptychon von Jefta van Dinther mit dem Titel "Islands" wird heuer im Herbst im Tanzquartier zu sehen sein.