Das Timing muss man sich erst einmal trauen. Da hatte Josef Hader, der Grandseigneur des österreichischen Kabaretts, seine Fans ganze 17 Jahre lang auf ein neues Bühnenprogramm warten lassen - und dann hatte "Hader On Ice" just inmitten der Corona-Pandemie vorigen Juni Premiere. Dass dieses Programm dann auch noch nicht nur die nach Hader lechzenden Fans begeisterte, sondern auch die Kritiker, spiegelt nun auch der Hauptpreis beim Österreichischen Kabarettpreis 2022 wider: Der noch 59-Jährige (am 14. Februar feiert er runden Geburtstag) wird nämlich mit den Hauptpreis ausgezeichnet. Wobei die Jury feststellt, dass es allein deshalb Haders allererster Österreichischer Kabarettpreis überhaupt ist, weil seine Schreibpause schlicht länger dauerte, als diese Auszeichnung für die Bühnenprogramme des jeweils vergangenen Jahres existiert.

Marina Lackovic alias Malarina. - © Vanja-Pandurevic
Marina Lackovic alias Malarina. - © Vanja-Pandurevic

Neue Ethno-Comedy und bewährte Musiksatire

Berni Wagner. - © ChristopherGlanz
Berni Wagner. - © ChristopherGlanz

Ihren ersten Österreichischen Kabarettpreis bekommt auch Marina Lackovic, die mit ihrer Kunstfigur Malarina die Jury überzeugt hat. Der Förderpreis geht an die serbisch-tirolerische Wahlwienerin für ihr laut Jury "sensationelles" Kabarettdebüt "Serben sterben langsam", in dem sie "mit ihrer fesselnden Mischung aus politsatirischer Zeitgeschichtsstunde und gewitzter Ethno-Comedy aber sowas von eingeschlagen hat". Auf der Suche nach Gründen für den langjährigen Kult um HC Strache unter den Serben in Österreich schlüpft sie in die Figur einer stramm rechten Exil-Serbin "und verhandelt aus dieser erhellenden Perspektive mit stellenweise fast schon schmerzhaft scharfem Humor die beziehungsprägenden Berührungspunkte zwischen Serbien und Österreich - von Sarajevo bis zum Brunnenmarkt", so die Jury-Begründung.

Christoph & Lollo. - © Ingo Pertramer
Christoph & Lollo. - © Ingo Pertramer

Das dritte neue Gesicht unter den Preisträgern ist jenes von Berni Wagner (30), den die Jury als "einen der schrägsten Vögel in der Voliere der heimischen Kleinkunstszene" bezeichnet. Er erhält den Programmpreis für sein fünftes Solo "Galápagos", in dem der gelernte Biologe im Tarnregenmantel einen Bogen von ganz persönlichen Beziehungsproblemen mit einer Öko-Influencerin bis zu den globalen Problemen mit dem Klimawandel spannt. Seine absurd scheinenden Vergleiche und Wortspiele, in denen sich "eine raffinierte Doppelbödigkeit offenbart", haben es der Jury ebenso angetan wie sein "wahnsinniger Witz" und "Stand-Up-Speed".

Josef Hader. - © Lukas Beck
Josef Hader. - © Lukas Beck

Der Sonderpreis für Verdienste ums deutschsprachige Kabarett wiederum geht an ein Duo, das seit inzwischen 25 Jahren mit musikalischer Satire begeistert und aus der heimischen Kabarettszene wegzudenken sind: Christoph & Lollo (Christoph Drexler und Lorenz Pichler - neue CD: "Mitten ins Hirn") erhalten damit auch zum ersten Mal einen Österreichischen Kabarettpreis.

Übergeben werden die Auszeichnungen (Haupt-, Programm- und Förderpreis sind dank Sponsoren wie der HDI-Versicherung mit je 3.333,33 Euro dotiert) im Rahmen einer Gala am 22. März ab 19.30 Uhr im Globe Wien (sie wird am 22. April um 23:10 Uhr auf ORF eins ausgestrahlt). Vorher ist aber noch das Publikum am Zug: Dieses darf bis 8. März über die beliebteste Satire- oder Comedy-Show im deutschsprachigen TV abstimmen (Details unter https://kabarettpreis.at/voting). Bis dahin beherzigen wir am besten in der Pandemie alle Haders Ratschlag aus seinem jüngsten Interview mit der "Wiener Zeitung": "Ein bissl weniger zu motschkern." (maz)