Ein Mann erfährt vom Unfalltod seines Bruders. Er verlässt seinen Partner und fliegt nach Mexico City, um dort einen Vortrag zu halten. Von seiner Gastwohnung aus lernt er die Stadt und deren Cruising-Szene kennen. Nichts scheint ihn jedoch zu interessieren, nicht die Trennung und nicht die Begegnungen, nicht der Sex und nicht einmal die eigene innerfamiliäre Missbrauchserfahrung durch den nun toten Bruder. Kalt und "leer" lässt der Mann sexualisierte Gewalt über sich ergehen, die ihn nur körperlich für Momente (er)füllt.

Auch der Text selbst scheint eine Form des literarischen Cruising, bleibt so unerbittlich wie sein Erzähler und rauscht von einer erratischen Episode zur anderen, etwa der Erinnerung an einen erblindenden Regisseur, den der Protagonist so lange besucht, bis ihn der Sterbende nicht mehr interessiert, oder der Erzählung von der Vergewaltigung eines 16-Jährigen, die mit dem Tod des Jungen endet.

Regisseur Marcel Schwald überträgt den Monolog auf zwei Personen und in eine in schwarze Plastikplanen getauchte Bühne, in der Darkroom, Schlafzimmer und Park als immer selbe Räume der Gewalt erscheinen. Die Handlung rhythmisierende choreografische Szenen, in denen die beiden Darsteller tanzen, einander umarmen oder sich bis an den Rand des Erträglichen in Wasserspielen ergehen, bemühen sich um emotionale Momente, die Nergiz’ literarisches "Echo der Gewalt" an queeren Körpern an keiner Stelle liefert.