Bleibt (m)eine Stadt dieselbe, wenn wir sie einmal mit anderen Augen gesehen haben? Mit dieser Frage setzt sich die österreichische Performancekünstlerin Stefanie Sourial in ihrer neuen Arbeit "City of Diaspora" auseinander, zu sehen im brut Nordwest. Sourial thematisiert, wie bereits in ihrer Reihe "Colonial Cocktail", die Auswirkungen von Kolonialisierung, Vertreibung und Rassismen auf persönliche Lebensrealitäten, im konkreten Fall die Art, einer Stadt als Ankunftsort zu begegnen und sich in ihr Räume zu schaffen, die zugleich dieser wie der eigenen Lebenswelt zugehören. Die "Stadt der Diaspora" wird so zu einer Stadt in der Stadt, die zugleich, so lassen es die Videoprojektionen (Sunanda Mesquita) erahnen, viele Orte ist und, für andere verborgen, gefüllt mit Erinnerungen und Wegen, Abschieden und Verlassenem.

Gemeinsam mit den Performerinnen Hyo Lee und Faris Cuchi Gezahegn bringt Sourial in loser Folge Kurzgeschichten auf Basis gesammelter Erzählungen von in Wien lebender Künstlerinnen mit Fluchterfahrungen auf die Bühne. Die Episoden werden wohl bewusst in ihrer Einfachheit belassen: Da wird die eine zum schillernd mutigen Fisch, ein anderes Mal sucht man gemeinsam nach der verlorenen Freude. Die drei Darstellerinnen erklimmen in Overalls die weißen Kuben der sonst leeren Bühne, um diese in eingängigen Choreografien zu Discosounds zu betanzen, am Ende gibt es eine märchenhaft anmutende gemeinsame Teezeremonie. Das ist charmant, bleibt aber doch zu sehr an der Oberfläche.