Wiederaufnahme-Wochen an der Staatsoper: Nach "Peter Grimes" und "Manon Lescaut" ist nun auch das Jugendmeisterwerk von Erich Wolfgang Korngold ans Haus zurückgekehrt, und das vorbildlich. Die "Tote Stadt", 2004 von Willy Decker für Salzburg inszeniert und wenig später nach Wien übersiedelt, strotzt bei ihrer Auferstehung nur so vor Leben.

Das gilt auch fürs Schauspiel: Auf der einen Seite darbt hier ein "Düsterling" namens Paul im psychischen Kerker seiner Witwertrauer, auf der anderen lockt ihn die kokette Marietta, eine scheinbare Wiedergängerin der Verblichenen. Decker hat diese Begegnung mit intensiven Gesten aufgeladen, und sie kehrten nun am Sonntag so vital zurück, wie sich Paul seine tote Gattin wünscht: Hier wird beherzter agiert, kokettiert, gestritten und geschubst als in mancher Premiere. Die Bühne von Wolfgang Gussmann liefert dazu surreale Schauwerte: Wie sich die Zimmerdecke hebt, Häuser herbeigleiten und verschwinden, Zirkusartisten gaukeln und eine geisterhafte Prozession marschiert - es illustriert aufwendig, dass alles nach dem Stelldichein des Witwers mit der Tingeltangel-Tänzerin nur die Ausgeburt eines Angst-Lusttraums von Paul ist. Broadway-hafte Opulenz mit künstlerischem Mehrwert.

Mit Klaus Florian Vogt mimt ein Krafttenor den Vereinsamten: Die Trompetenintensität des Wagnersängers setzt sich (trotz kleiner vokaler Unschärfen) verlässlich im üppigen Klangbild durch. Das gilt auch für Vida Miknevičiute: Die Litauerin lässt ihre Marietta anfangs Zerbinetta-haft zwitschern, entstößt sich dann zunehmend markerschütternde Attacken (fast) ohne Einbußen im Timbre und wird von Adrian Eröd als Frank mit nobler Diktion flankiert. Und Dirigent Thomas Guggeis? Schwelgt mit dem Orchester in psychologisch aufgeladenen Klangfluten, ohne die Sänger dabei zu gefährden. Jubel.