Das Landestheater Linz trennt sich einvernehmlich von seiner Tanz-Spartenleiterin. Die von Tänzern des Landestheater Linz gegen ihre Direktorin erhobenen Vorwürfe, die im September 2021 auch zu ihrer Dienst-Freistellung führten, sind aber arbeitsrechtlich haltlos. So das Ergebnis der Compliance-Kommission, das der Arbeitsrechtsexperte der Johannes Kepler Uni Linz, Reinhard Resch, am Montag mit Intendant Hermann Schneider präsentierte.

Jedoch sieht er das Verhältnis zur Tanzdirektorin "irreversibel zerstört", weshalb eine einvernehmliche Trennung empfohlen wurde. Montagabend wurde dieser Schritt dann auch schon vollzogen: Man habe der Spartenleiterin die Auflösung des Vertrages angeboten. Sie habe zugestimmt, teilte das Theater in einer Aussendung mit. Beide Seiten würden die Beendigung der acht Jahre währenden Zusammenarbeit bedauern.

Im Februar 2021 tauchten erstmals Anschuldigungen von Mitgliedern der Tanzkompanie gegen die langjährige Direktorin und Chefchoreografin auf. Auch der von Schneider beigezogene Arbeitspsychologische Dienst konnte die Situation nicht entspannen. Mit Beginn der neuen Spielsaison im September wurden erneut Vorwürfe laut: Diese reichten von unterlassener Hilfeleistung bei Verletzungen, Druck im Krankenstand, Ungerechtigkeit bei Nichtverlängerung von Verträgen sowie am Führungsstil überhaupt. Die Beschuldigte wiederum sprach von Mobbing gegen ihre Person. Daraufhin entschied Schneider, die Spartenleiterin für Tanz vom Dienst freizustellen, damit eine externe Kommission prüfen kann.

"Sektenähnliche" Beziehung

Neben Resch waren auch noch die Gleichbehandlungsbeauftragte des Landes Oberösterreich sowie je ein Rechtsanwalt des Dienstgebers und des künstlerischen Betriebsrats in der Kommission. "Nach einstimmiger Ansicht liegt auf Basis des von uns erhobenen Sachverhaltes aus derzeitiger Sicht und zu jetzigem Zeitpunkt kein Entlassungsgrund vor", erklärte Resch. Bei Verletzungen während der Proben habe die Rettungskette sogar vorbildlich funktioniert. Im Krankenstand befindliche Tänzer seien nicht zur vorzeitigen Rückkehr gedrängt worden. Auch sei die Fluktuationsrate des Ensembles nicht auffällig hoch gewesen, so ein weiteres Ergebnis nach 14 Sitzungen, in denen die Kommission mit ehemaligen und aktiven Tänzern sowie zahlreichen weiteren Personen des Hauses gesprochen hatte. Auch die Mobbingvorwürfe gegen die Chefin konnten nicht festgemacht werden.

Dennoch kam die Kommission zu dem Schluss, dass ein Miteinander in der Sparte Tanz nicht mehr möglich sie. Resch verglich die Situation mit einer langen, guten Ehe, die dann doch zerrüttet. Auslöser dürfte Corona gewesen sein. Die Zeit der geschlossenen Theater habe bei Tänzern, die im Gegensatz anderer Künstlerkollegen wesentlich kürzere Karriere hätten, zu Angst und Panik geführt. Daran sei die wohl extrem enge Beziehung im Team und zur Chefin, die als "sektenähnlich" beschrieben wird, zerbrochen.

Es seien in Fragen der künstlerischen Ausrichtung und des erforderlichen Einsatzes der Tanzkompanie erhebliche Divergenzen zwischen den Beteiligten ausgemacht worden, hieß es dann ab Abend in einer Presseaussendung. Deshalb sehen sich beide Seiten "nicht mehr in der Lage, die künstlerische Zusammenarbeit erfolgreich fortzusetzen". Schneider denkt nun über eine neue Organisationsstruktur in der Sparte Tanz nach. (apa)