Als vor über zehn Jahren Éric Génovèses Inszenierung von Gaëtano Donizettis Durchbruchswerk "Anna Bolena" Premiere im Haus am Ring hatte, überstrahlten Anna Netrebko in der Titelrolle und Elina Garanča als Rivalin die komplette Produktion. Nicht zu vergessen Elisabeth Kulman als Page. Inmitten der sich ständig im Dunkeln befindenden, wie erstarrt wirkenden Szenerie, die lediglich mit praktikablen Kulissenteilen ausgestattet ist, liegt der Fokus einzig auf der vokalen Darbietung. Oper als pures Rampensingen.

Die Königin als Holzschnitt

Für Diana Damrau an sich kein Problem, sie kann gestalten und weiß ihre Figuren zu präsentieren. Am Samstag agierte die deutsche Sopranistin von Beginn an sängerisch ausgezeichnet. Bis hin zur Wahnsinnsszene am Schluss wusste sie ihre Kraft einzuteilen, beherrschte ihr edles Material in allen Lagen.

Ein Triumph der Stimme: Diana Damrau. - © Staatsoper / Michael Pöhn
Ein Triumph der Stimme: Diana Damrau. - © Staatsoper / Michael Pöhn

Darstellerisch legte sie die um ihr Leben und ihre Ehre kämpfende Frau vor allem im ersten Akt seltsam fahrig, beinahe holzschnittartig, an. Die Giovanna Seymour von Ekaterina Semenchuk mit ihrem warmen, mild dramatischen Mezzo kam als Person glaubhafter über die Rampe.

Zwei Entdeckungen brachte die Vorstellung: Nicholas Brownlee als (für Erwin Schrott eingesprungener) König Heinrich, mächtig und mit kernig voluminösem Bass-Bariton. Der aus Samoa stammende Pene Pati (Percy) lässt mit seltenem Timbre aufhorchen, helles kräftiges Metall. Sehr schön sang Szilvia Vörös den unglücklich verliebten Smeton.

Medioker die Leistung im Graben: einige Längen und mitunter mangelnde Verve an diesem von Giacomo Sagripanti dirigierten Abend.