Es war einmal eine Zeit, als noch echte Menschen echte Musik mit echten Emotionen machten. Lange vor "DSDS". Diese Zeit beschwören die Kultband Queen und Bühnenautor Ben Elton in ihrem Jukebox-Musical "We Will Rock You" herauf. Entstanden ist es vor genau 20 Jahren, jetzt ist es in einer Neuinszenierung von Cornelius Baltus (Regie) und Werner Sobotka (Übersetzung) wieder in Österreich zu erleben.

In der futuristischen Geschichte, mit der Brian May und Roger Taylor ihre zahlreichen Erfolgshits mit dem viel zu früh verstorbenen Freddy Mercury feiern, hat der Einheitsbrei-Programmier-Konzern Globalsoft die musikalische Weltherrschaft an sich gerissen. Der Rock’n’Roll ist tot - aber ein Musikvideo auf VHS-Kassette konnte in Sicherheit gebracht werden. Ansonsten heißt es leider auf dem Planeten iPad: "All we hear is Radio Gaga."

"We Will Rock You" betont die Macht der Musik. - © Allegria / Johan Persson
"We Will Rock You" betont die Macht der Musik. - © Allegria / Johan Persson

Doch es regt sich Widerstand: Galileo Figaro (Philipp Büttner), Absolvent der Globalsoft-Akademie, verspürt den Drang, aus dieser Welt auszubrechen und seine eigene Musik zu machen. "I Want to Break Free!", schmettert er der Schulleiterin entgegen. Und er ist nicht alleine. Auch Scaramouche (Inga Krischke) will ausbrechen, mit kraftvoller, ausdrucksstarker Stimme sucht sie "Somebody to Love". Beide verbünden sich gegen Gaga-Boys und Gaga-Girls, die ihre Individualität ablehnen, ja sogar für extrem gefährlich halten. Und sie sind nicht alleine, denn eine Gruppe von Rebellen wartet auf das Erwachen der Macht der Musik. Auf einen Retter, der ein sagenumwobenes Musikinstrument findet und damit den Rock’n’Roll zurückbringt. Die böse Herrscherin Killer Queen (Linda Holmgren) fühlt sich natürlich bedroht und hetzt ihnen Comander Khashoggi (John Leonard Davies) auf den Hals.

Eine Aneinanderreihung von Queen-Hits, die funktioniert

Daraus entwickelt sich ein musikalisches Weltraumabenteuer bis zum finalen "We Will Rock You" auf den Spuren von Flash Gordon, dessen Story freilich im Grunde primär als Vehikel dient, um möglichst viele Queen-Hits aneinanderzureihen. Das geht erstaunlich gut, sodass die Texte, die Queen größtenteils Jahrzehnte früher geschrieben haben, sich tatsächlich gut zu einem großen Ganzen zusammenfügen lassen. Und dank zahlreicher Anspielungen aus der Musikgeschichte, auch abseits des Queen-Universums, und vieler kleiner Gags kommen Fans der britischen Kultband auf jeden Fall auf ihre Kosten. Hier die englischsprachige Version (in Österreich wird deutsch gesprochen und englisch gesungen):

Interessant ist das Hörerlebnis, statt der drei hellen Tenöre und Kopfstimmen die Lieder nun vielstimmig von Sopran- und Alt-Stimmen vorgesungen zu bekommen. Mitunter wird es dabei recht schrill (der Konzerthallenmodus ist ein bisschen dröhnend für die beschauliche Halle F der Wiener Stadthalle), wodurch die Stimmen der überzeugenden Hauptdarsteller nicht immer voll zur Geltung kommen. Dafür passt es zur SciFi-Atmosphäre auf der Bühne. Und es gibt auch leise Töne in dieser dreistündigen Huldigung nicht nur für Queen, sondern für alle Urväter und Urmütter der Unterhaltungsmusik.