Zahlreiche österreichische Kultureinrichtungen beziehen dieser Tage Stellung zum Krieg in der Ukraine. Die Solidaritätsbekundungen reichen von den Bundestheatern über die Salzburger und Bregenzer Festspiele bis hin zur Akademie des österreichischen Films. Die IG Autorinnen Autoren starten eine Texte-Sammlung.

Ein "Bekenntnis gegen Gewalt und für den Frieden" veröffentlichen am Dienstag alle Häuser der Bundestheater Holding: "Wir sind glücklich, als internationale Theater Kunstschaffende unterschiedlichster Nationen auf unseren Bühnen zu vereinen - so auch aus der Ukraine und Russland -, die jeden Abend über politische, sprachliche oder religiöse Unterschiede hinweg Menschen bewegen können", heißt es in dem auf den Websites von Burgtheater, Staatsoper, Volksoper und Art for Art veröffentlichten Schreiben.

Die derzeitigen Entwicklungen dürften aber "nicht dazu führen, Einzelpersonen nur aufgrund ihrer Nationalität davon auszugrenzen". Allerdings sehe man "keine Grundlage für eine künstlerische Zusammenarbeit mit Institutionen oder Einzelpersonen, die sich mit diesem Krieg oder seinen Betreibern und deren Zielen identifizieren". Auch habe man geplante Kooperationen mit offiziellen Einrichtungen der Russischen Föderation wie z. B. Gastspiele ausgesetzt. "Wir appellieren an alle Menschen, kritische Distanz zu politischen Demagogen zu wahren, im Sinne der Humanität zu handeln und sich nicht vereinnahmen zu lassen." In den vergangen Tagen haben die Häuser auch optische Zeichen des Protests gesetzt, indem die Fassaden etwa in den ukrainischen Landesfarben angestrahlt wurden. Zudem habe man eine Kooperation mit der Volkshilfe gestartet, um die Hilfe vor Ort zu stärken.

Auch die Salzburger Festspiele verfolgen den russischen Angriffskrieg "mit tiefer Bestürzung" und sprechen sowohl dem ukrainischen Volk als auch jenen Teil der russischen Bevölkerung, die die militärische Aggression ablehnen, "unsere Solidarität und unser Mitgefühl" aus. "Wir bekennen uns ausdrücklich zum Gründungsauftrag der Salzburger Festspiele, ein Friedensprojekt im Geiste der Toleranz und Humanität zu sein." Man verstehe sich als ein internationales Festival mit Besucherinnen und Besuchern sowie Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt und fühle sich diesen "kulturell und freundschaftlich verbunden. Wir sehen jedoch keine Grundlage für eine künstlerische oder wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Institutionen oder Einzelpersonen, die sich mit diesem Krieg, dessen Betreibern und deren Zielen identifizieren", heißt es in dem Statement des Festspieldirektoriums am Dienstag.

"Kunst und Kultur stehen für ein friedvolles Miteinander und gelebte Vielfalt"

Eine ähnliche Solidaritätsbekundung haben auch die Bregenzer Festspiele veröffentlicht. "Die Bregenzer Festspiele setzen ab dem heutigen Abend ein sichtbares Zeichen des Protestes und der Unterstützung. Kunst und Kultur stehen für ein friedvolles Miteinander und gelebte Vielfalt. Den Menschen in der Ukraine, deren Existenz gerade bedroht ist, gelten unsere Anteilnahme und Solidarität", heißt es.

"Mit unserer Arbeit und mit unseren Stimmen setzen wir uns für demokratische Werte ein, wollen friedlich Grenzen überwinden und die Welt verändern", schreibt die Akademie des österreichischen Films am Dienstag und veröffentlicht Spendenaufrufe. "Unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine, die jetzt gerade gezwungen sind, ihre Freiheit und Demokratie in einem Krieg zu verteidigen."

Die IG Autorinnen Autoren, die bereits seit Tagen öffentlich gegen den Krieg auftritt, startet nun auch einen breit angelegten Aufruf zu einer Texte-Sammlung für "Stimmen gegen den Krieg". Diese Sammlung solle möglichst vielen Autorinnen und Autoren, aber auch Politikern, Funktionären der Interessensvertretungen sowie andere Repräsentanten des öffentlichen Lebens die Möglichkeit geben, "sich persönlich öffentlich gegen den Krieg in der Ukraine und gegen den Krieg prinzipiell auszusprechen". Gedichte und Liedtexte sind ebenso möglich wie Sachtexte, Prosa, Drama, Briefe, Appelle und anderes mehr. Geschickt werden können die Texte an g.ruiss@literaturhaus.at. Die Texte werden zu Dossiers zusammengestellt und verbreitet sowie auf einer Plattform öffentlich zugänglich gemacht. (apa)