In ihrer aktuellen musiktheatralen Recherche "Leicht" untersuchen Regisseurin Esther Muschol und Choreograf Benjamin Rufin die kleinen und etwas größeren Dinge, die unser Leben leichter - oder eben schwerer - machen.

Da wäre zum Beispiel ein Raum voller Zimmerpflanzen, die zu gießen ein zarter täglicher Genuss sein könnte, ein kleines Wasserbecken, in dem man lustvoll planschen kann. Oder aber man bestellt eine Pizza - um zu erfahren, dass der Pizzaofen nicht funktioniert.

Man visioniert Märchen über abgeschlagene Tanzbeine oder grübelt über das Nichtfunktionieren unseres Kalenders nach. Dann wird der Tag relativ rasch zum "scheißen Tag". Und so steht auch Ernst Jandls Gedicht "von zeiten" gleich zu Beginn des Abends, das Lukas David Schmidt mit einiger Verve und wenig Sinn für die Leichtigkeit des Lebens vorträgt. Die Positionen bleiben auch während der folgenden rund 70 Minuten eindeutig: Wo dem einen (Schmid) das Leicht-Sein einfach nicht leicht fällt, scheint der andere (Rufin) in allem die Einladung zum Tanz zu sehen - selbst eine Bodenbürste und der Oberschenkel werden dann zu Instrumenten und laden zum (Mit-)Musizieren ein.

Was ist schon "leicht"? - © Andreas Friess
Was ist schon "leicht"? - © Andreas Friess

"Leicht" ist eine teilweise aus autobiografischem Material entstandene zart-bittere Revue über die große Frage, wie sich "leicht" aktuell anfühlt. Doch bei aller Musikalität und charmanten Stepptanzeinlagen gelingt es der Inszenierung selbst nicht, über die lose Szenenfolge hinaus einen überzeugenden Rhythmus zu generieren, wirkt der Abend insgesamt zu ratlos holprig, um wirklich "schwerelos" zu werden.