Von Queer-Feministischem in der Comicwelt über den Tanz als widerständiges Werkzeug bis hin zu den Spuren des Kolonialismus, denen performativ nachgegangen wird: Das diesjährige Imagetanz-Festival - von 4. bis 26. März im Brut Nordwest - wird einen Einblick in die junge performative Szene geben: Wieder live, mit einigen unterschiedlichen Formaten und erstmals am neuen Standort, wie Festival-Kurator Flori Gugger im Gespräch betont.

"Wiener Zeitung": 2021 fand das Imagetanz-Festival in abgespeckter Form statt. Was erwartet die Zuseher heuer?

Flori Gugger:Ich hoffe, ein Live-Festival. Im letzten Jahr wurde man im Zwei-Wochen-Rhythmus immer wieder vertröstet. Es war sehr lange nicht klar, ob es vor Publikum stattfinden hätte können. Erst Ende Jänner wurde es entschieden, wir haben uns schnell angepasst und das Festival ins Digitale transferiert. Auch die Künstler haben sehr kurzfristig reagiert und Formate entwickelt, die digital funktioniert haben.

Und heuer?

Dieses Jahr war für uns und auch die Künstler klar, dass wir wieder auf Bühnenformate setzen. Das Rahmenprogramm mussten wir ein bisschen abspecken. In anderen Jahren gab es noch Workshops, Diskurse und andere Begegnungsformate, aber in der aktuellen Situation ist nicht alles machbar. Wir haben zum Beispiel jetzt schon zwei Jahre lang ein fix und fertiges Partyformat in Form einer Queer-Burlesque-Performance, die dann in eine Party übergeht, in der Schublade liegen. Aber dazu fehlte die Planungssicherheit. Bis heute ist nicht klar, unter welchen Auflagen Partys im März erlaubt sein werden. Wir warten immer noch auf die genauen Regelungen. Die Eröffnung mit "She Legend" von Rykena/Jüngst am 4. März wird ein Bühnenstück sein. Neben den Live-Performances sind auch die Studiobesuche bei den Künstlern ein wichtiger Teil des Festivals. Hier werden Arbeiten noch in der Probenphase gezeigt. So haben wir versucht, eine große Bandbreite an Liveformaten im Festival zusammenzufassen.

Steht das diesjährige Festival unter einem Motto?

Das Motto "recipes that move your body" ist daraus entstanden, dass wir nach zwei Jahren Pandemie einfach wieder auf Live setzen wollen. Mit dem Begriff "move" zielen wir natürlich auf Bewegung, Tanz und Performance, aber auch auf das Bewegt- und Berührtwerden durch künstlerische Erfahrungen im Hier und Jetzt in einem gemeinsam geteilten Raum. Die Kostbarkeit dieser Situation ist durch die Einschränkungen der Pandemie noch deutlicher geworden. Das Motto umrahmt die unterschiedlichen Formate von One-to-one-Projekten, Kleingruppen bis zu Bühnenprojekten auf unterschiedliche Weise und berührt damit unsere Körper.

Kurator Flori Gugger. - © F. Kreis
Kurator Flori Gugger. - © F. Kreis

Sie sind seit 2017 Kurator dieses Festivals und haben einen umfassenden Blick auf die Szene. Was hat sich in den letzten Jahren getan? Welche Veränderungen sind zu erkennen?

Heuer gibt es zwei thematische Schwerpunkte: Zum einen sind es queer-feministische Fragen, die auch aus dem popkulturellen Bereich kommen. Zum anderen sind es Fragen der Zugehörigkeit, zu Community und Kolonialismus in Bezug auf Kritik, Identität und Fremdheit. Diese Themenkomplexe sind sehr präsent in den letzten zwei Jahren und gar nicht nur im performativen Bereich, denn es sind gesellschaftspolitische Fragestellungen, die sehr virulent sind.

Das Festival findet erstmals im Brut Nordwest, der neuen Wirkungsstätte statt, nach jahrelanger Wanderschaft. Wie geht es Ihnen dort?

Sehr gut! Wir hatten ursprünglich den Plan die neue Spielstätte letztes Jahr mit Imagetanz zu eröffnen. Seit Herbst 2021 sind wir nun voll hier, und diese Location stößt nicht nur bei uns, sondern auch bei den Künstlern der freien Szene und den Zusehern auf große Zustimmung. Unser Publikum ist uns gefolgt, und wir haben auch durch die unterschiedlichen Spielstätten neues dazugewonnen. Aber nach den vier Jahren auf Wanderschaft ist es für uns einfach großartig, den Theaterraum, das Techniklager, die Büros und Proberäume alles unter einem Dach zu haben. Die Halle gibt uns sehr große Flexibilität für Bespielungen, denn es gibt den klassischen Theaterraum, eine Blackbox, aber auch ein großes Foyer, das wir für Projekte nützen. Es ist auch ein Ort mit einer einzigartigen Atmosphäre zwischen dem brachen Land hinter uns und der Stadt vor uns. Bis Ende 2023 sind wir nun hier und danach geht es nach St. Marx in eine permanente Spielstätte.