Was hat Kabarettistin Nina Hartmann in den Lockdowns gemacht? Aufgeräumt und ausgemistet. So, wie es Marie Kondo empfiehlt. Zumindest hat sie es versucht. Wie erfolgreich sie dabei war, erzählt sie in ihrem neuen Soloprogramm, in dem sie unter anderem feststellt, dass für Gewand und Männer das Gleiche gilt: Was man nicht gleich wegbringt, wird man nicht mehr los. Womit wir bei einem Hauptthema des Abends wären: Scheinbar frisch von der Leber weg spricht Hartmann über Liebe, Sex und (schlechte) Zungenküsse. Sie breitet vor ihrem Publikum ihr Intimleben so aus, dass die Zuhörer nicht nur was zu lachen haben, sondern auch etwas für sich selbst daraus mitnehmen können.

Aber sie kann auch anders, nämlich ernst. Sie bricht zum Beispiel eine Lanze für Hausfrauen, die ihre "absoluten Heroes" sind, und erzählt, was sie von ihrer Oma alles lernen konnte, die sie schon als kleines Mädchen auf den Gender Pay Gap vorbereitet hat. Mit gewohntem Tiroler Dialekt und im "Je t’adore"-Leiberl wirbelt das 40-jährige Ex-Model über die Bühne und erzählt dabei auch eine Anekdote aus seiner frühen Schauspielkarriere, die zwar sehr lustig geschildert wird, aber im Kern gar nicht zum Lachen ist. Im Gegenteil. Das ist die große Kleinkunst der Nina Hartmann: Ihre Gags und Wortspiele sind nur scheinbar oberflächlich und banal.