Nora kehrt zurück. Sie klopft an die Tür, durch die sie 15 Jahre zuvor aus Selbstachtung Torvald Helmer verlassen hat. Im Vienna’s English Theatre knüpft das Drama "A Doll’s House, Part 2" des Amerikaners Lucas Hnath an Ibsen an.

Das "Puppenheim" ist keines mehr. Kahle Wände, von denen die Bilder der Vergangenheit entfernt wurden, die Kinder sind bis auf die junge Emmy aus dem Haus. Nora wird von ihrer einstigen Kinderfrau Anne Marie empfangen, die auch Noras Sprösslinge aufgezogen hat.

Fortsetzungen zu Meisterwerken der Literatur können Autoren rasch bekannt machen, werfen aber meist auch Fragen auf. Was aus Nora hätte werden können, hat bereits Elfriede Jelinek aufgezeigt, bei Hnath hat sie es als feministische Buchautorin zu Wohlstand gebracht. Was sie von Torvald will und wie das Stück verläuft, sei hier nicht verraten, nur, dass Anne Marie und Emmy die zur Ehefeindin gewordene Nora schonungslos mit gegenteiligen Meinungen konfrontieren.

In Ken Alexanders Inszenierung dieses Konversationsstücks im Stil Ibsens fehlt auch eine Prise Strindberg nicht. Die Bühne ist leer bis auf einige Sessel, deren Stellung und deren Umwerfen die Handlung unterstreichen. Adrienne Ferguson (als selbstbewusste Nora) und Howard Nightingall (als verletzlicher Torvald) wirken wie ein modernes Paar ohne Dialogfähigkeit in alten Kostümen. Eleni McDonald (Emmy) legt einen atemberaubenden Auftritt hin. Kathy Tanner (Anne Marie) beeindruckt durch Menschlichkeit und Mienenspiel. Viel Applaus.