Der Abend hätte besser nicht verbracht werden können: Angesichts der weltpolitischen Lage und dem Nichtendenwollen der Pandemie brachte Mozarts "Entführung aus dem Serail" an der Staatsoper drei herrliche Stunden der Zerstreuung. Musik zum immer wieder aufs Neue Staunen, ausgezeichnete Ausführende und eine Inszenierung mit Witz, Leichtigkeit und Gespür.

Ein Monat ist es mittlerweile her, dass Hans Neuenfels verstorben ist. Das Haus am Ring widmete die Wiederaufnahme-Vorstellung dem Andenken des stets provokativen Regisseurs. Direktor Bogdan Roščić hatte die 1998 für Stuttgart entstandene, mehrfach ausgezeichnete Inszenierung von Mozarts Singspiel ins Repertoire geholt. Neuenfels selbst sprach von einer seiner stimmigsten Arbeiten: Die Sänger werden durch Schauspieler verdoppelt, bekommen Partner, Spiegel. Dabei fallen Ludwig Blochberger, bekannt aus deutschen Fernsehkrimis, durch immens präzises Spiel und Andreas Grötzinger durch starke körperliche Präsenz auf.

Gesungen wird auf hohem bis höchstem Niveau: Daniel Behles Belmonte beglückt durch lyrischen Schmelz. Tobias Kehrer hat jene profunde Tiefe, die ein Osmin haben muss. Michael Laurenz ist ein geradezu idealer Pedrillo. Regula Mühlemann gefällt als Blonde. Den meisten Applaus erntete Lisette Oropesa für ihre alle Herausforderungen meisternde Konstanze. Antonello Manacorda führte mit zügigen Tempi durch die drei Aufzüge und vermittelte Mozarts grandiose Musik mit all ihren Facetten treffsicher ins begeisterte Publikum.