Mit dem Untertitel "Sprache essen Abgott auf oder Du arme Drecksfut Metzger" setzt die Volkstheater-Hausautorin Lydia Haider ihre Schimpftirade "Zertretung" fort. Teil eins erregte Anstoß mit Gewaltfantasien gegen Männer, die vor allem die ÖVP etwas zu ernst nahmen. Im zweiten Teil bietet die 1985 geborene Oberösterreicherin nun wirklich niemandem mehr Angriffsfläche, höchstens jenen, die finden, man müsse immer lieb sein und schön sprechen. Stattdessen pflegt Haider diesmal offensiv Sprachkritik in guter, wenn auch etwas angejahrter österreichischer Tradition: Sie beschimpft die Sprache selbst, liefert sich mit ihr ein Duell auf Leben und Tod.

Regisseurin Claudia Bossard lässt sie dafür auch selbst auftreten, wenn auch nur auf der breiten Videoleinwand in der Dunkelkammer des Volkstheaters, wo sie einige der 14 als Kampfrunden betitelten Abschnitte bestreitet. Den Rest nehmen sich drei tapfere Schauspielerinnen vor: Clara-Luise Bauer, Anna Rieser und Claudia Sabitzer (kurz darf auch der männliche Kollege Uwe Schmieder etwas sagen). Sie kämpfen sich mal solo, mal im Dialog durch den Text, wälzen ihn in verschiedensten Tonlagen wie eine schwierige Aufgabe. Dem sieht man auch dann gerne zu, wenn man nicht wirklich etwas versteht. Einen Wutausbruch mit dem zu erwartenden Aggressions- und Lautstärkepegel gibt es erst ganz zum Schluss. So bleibt der Abend nicht mehr als eine Spielerei für Sprachverliebte - oder eben Sprachverhasste. Einen Skandal wird er kaum provozieren.