Was stellt man sich gemeinhin unter Künstlicher Intelligenz (KI) vor? Wer sich nicht damit beschäftigt, hat wohl kaum einen Begriff davon, wie eng unser Alltag bereits mit der lernenden Technologie verwoben ist. Viele haben wohl dystopische Visionen made by Hollywood vor Augen - siehe: "Blade Runner", "Matrix".

Diesen Negativ-Szenarien sagt das Künstlerkollektiv Fronte Vacuo nun den Kampf an. "Wir fordern die Erwartungen an KI heraus", so Marco Donnarumma im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". In der sechsteiligen Performance-Reihe "Humane Methods Exhale", die von 18. bis 20. März im Volx zu sehen ist, der Volkstheater-Nebenspielstätte in Wien-Margareten, geht es um die Suche nach einem neuen Miteinander zwischen Mensch und Maschine.

Der Digitale-Musiker Marco Donnarumma, der Videodesigner Andrea Familari und die Choreografin Margherita Pevere haben 2019 das international tätige Kollektiv gegründet.

"In ‚Human Methods‘ bringen wir ein Ökosystem auf die Bühne, in dem es vor allem um Beziehungen geht - zwischen Performern und Zuschauern, zwischen Natur und Technik. Der Algorithmus ist dabei ein gleichwertiger Bühnenpartner", so Regisseur Donnarumma. Performance als soziales Experiment. Der Bühnenraum im Wiener Volx besteht aus drei Gewächshäusern, in denen das Publikum platziert wird. Sechs Performer agieren vor und zwischen den gläsernen Gebilden, je nachdem wo man sitzt, erhält man unterschiedliche Einblicke in eine wortlose 90-minütige Performance, die von ritualisierten Bewegungsabläufen geprägt ist.

Und der Algorithmus? Die von Donnarumma eigenhändig programmierte Software namens DMB tritt via Kameras in Aktion, die in den Gewächshäusern angebracht sind. "Seit drei Jahren arbeiten wir mit ihm zusammen, mittlerweile kann er die einzelnen Performer unterscheiden." KI-Systeme sind in der Lage, ihr Handeln anzupassen, indem sie die Folgen früherer Aktionen analysieren und daraus lernen.

Öko-Ethik

In Episode eins werden auf den Bildschirmen drei Aktivitäten des KI-Systems sichtbar: "Praying", beim Beten wiederholen die Performer ritualisierte Bewegungsabläufe, "learning", dabei bleibt die Kamera schwarz, und schließlich "watching", hier sieht man ein schwarz-weißes Flimmern auf den Bildschirmen. "Der Algorithmus steuert dann eigenmächtig Musik- und Lichteffekte", so Donnarumma. "KI hat keine Ahnung von Kunst", fährt der Medienkünstler fort. "Wir haben für das System einen Spielraum entworfen, innerhalb dessen er agieren kann, wir kennen seine Grenzen, können abschätzen, was er wohl als Nächstes tun wird, aber einen gewissen Überraschungseffekt gibt es dennoch jedes Mal."

"Human Methods Exhale" ist eine szenische Meditation zur radikalen Öko-Ethik, wie sie etwa von Cyborg-Vordenkerin Donna Haraway in "Unruhig bleiben" formuliert wurde: Die Zukunft der Menschheit liegt demnach in einer neuen Form des Miteinanders und und das inkludiert nun eben auch KI-Systeme.