Kann ein mehr als 200 Jahre altes Märchen über Könige, eine Prinzessin und einen Spielmann im Jahr 2022 immer noch Kinder ansprechen, gar gut unterhalten? Ja, auf jeden Fall. Wenn es so gut gemacht ist wie "König Drosselbart" im Wiener Rabenhof. Dort haben Regisseur Roman Freigaßner-Hauser und Dramaturg Fabian Pfleger den Plot allerdings ein wenig abgewandelt. Prinzessin Amalia (Claudia Waldherr), deren Verehelichung ihrem Vater (Bernhard Majcen) seinen goldenen Turm finanzieren soll, die aber alle Freier ablehnt, wird nicht mit dem als Spielmann verkleideten König Drosselbart (Michael Schusser) zwangsverheiratet, sondern wirft sich ihm eher an den Hals.

Das Problem: Drosselbart, dem ein echter Spielmann (Okan Cömert) dabei helfen will, endlich die wahre Liebe zu finden - während sein Erster Minister die Abwesenheit zwecks Brautschau für Intrigen nutzt -, ist lange zu feig, sich als König zu erkennen zu geben. Er fürchtet nämlich (zu Unrecht), dass die gar nicht oberflächliche Prinzessin ihn dann ablehnen würde. Felix Rank und Christoph Hagenauer vervollständigen das Ensemble, das die Geschichte - trotz historisierender Kostüme - gekonnt ins Heute holt. Das macht nicht nur den Kindern Spaß, sondern auch den erwachsenen Begleitpersonen.