"Werner Kofler ist einer der am meisten verkannten Autoren Österreichs", so Elfriede Jelinek im Programmheft. "Alles, was Berühmtere können und konnten, das konnte er besser." Den Beweis trat nun ein zweitägiges Gastspiel von Werner Koflers "Zell-Arzberg. Ein Exzess." im Wiener Kosmos Theater an.

Der 36-jährige Regisseur Franz-Xaver Mayr, erprobt in der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Dramatik, verzichtet dieses Mal auf grelle Übermalungen, setzt in seiner formal geradezu spartanischen Inszenierung ganz auf die Sprache - und trifft ins Schwarze. Koflers Text aus dem Jahr 1982, ursprünglich als Hörspiel verfasst, ist das wundergar-gnadenlose Protokoll einer zerrütteten Ehe.

Die Eheleute wollen sich eigentlich trennen, können aber nicht loslassen und werfen einander unablässig Ungeheuerlichkeiten vor - jede Zeile ein Liebesverrat. Aber noch der ärgste Ausbruch kommt auf sprachlicher Ebene nüchtern im Stil eines Gerichtsverfahrens daher.

Gerade aus diesem Widerspruch bezieht der Text seine Spannung und die Inszenierung findet dafür eine ansprechende szenische Umsetzung: Das Schauspieler-Duo Johanna Orsini und Reinhold Moritz steht während der einstündigen Aufführung ganz nah nebeneinander, beinahe berühren sich ihre Arme, sie blicken stets geradeaus in den Zuschauerraum, verbieten sich jegliche körperliche Regung, tragen aber Klage und Gegenklage wie mit einer Stimme vor - ein grausamer Pas de deux, eine großartige Schauspielerleistung.