Eigentlich hätte "4" Martin Schläpfers Willkommensgeste als Chef des Wiener Staatsballetts werden sollen. Im Dezember 2020 fand dann auch die Uraufführung statt, doch Corona-bedingt als Online- und Fernsehespektakel. Ein sehenswertes TV-Event, keine Frage. 14 Monate später wurde nun am Samstag "Mahler, Live" erstmals in der Staatsoper gezeigt und frenetisch vom Publikum gefeiert.

D. Cherevychko (v. l.), E. Bottaro und D. Dato in Schläpfers "4". 
- © Wiener Staatsballett / A. Taylor

D. Cherevychko (v. l.), E. Bottaro und D. Dato in Schläpfers "4".

- © Wiener Staatsballett / A. Taylor

"4" zur Vierten Sinfonie von Gustav Mahler ist ein Ensemble-Spektakel, das von den unterschiedlichen Persönlichkeiten seiner Tänzer zum Leben erweckt wird: Schläpfer setzt auf alle möglichen Arten von Formationen und rückt damit die technischen Stärken und Talente bildstark in den Vordergrund. Ohne jedoch in eine angeberische Demonstration von Virtuosität zu verfallen. Besondere Momente bleiben in Erinnerung, wenn etwa Denys Cherevychko, Elena Bottaro und Davide Dato in einem Pas de trois oder auch Ketevan Papava geschmeidig und virtuos in Schläpfers charakteristischen Bewegungsrepertoire aufgehen. Ramón Tebar setzt den Mahler-Klang des Staatsopernorchesters genussvoll für den Tanz um.

Mit "Live" des Altmeisters Hans van Manen startete jedoch der Ballettabend. Obwohl bereits 1979 als erstes Video-Ballett entstanden, ist es auch heute noch keineswegs verstaubt. In der Musik von Franz Liszt - am Klavier: Schaghajegh Nosrati - werden Körperpartien von Claudine Schoch per Handkamera detailreich auf die Leinwand projiziert. Später tanzt sie mit Eno Peci im Foyer einen gefühlvollen Pas de deux, der ebenfalls auf die Bühnenleinwand produziert wird. Schade ist, dass bei der Einspielung einer Tanzsequenz aus dem Ballettsaal eine gewaltige Ton-Bild-Schere irritierte. Dennoch eine geglückte Publikumspremiere, deren Live-Effekt auch Ungenauigkeiten umso mehr merken lässt.