Wenn der Staatsoperndirektor vor den Vorhang tritt, seufzt das Publikum wissend. Die Pandemie sei noch nicht vorbei, konterte Bogdan Roščić das Raunen im Saal. Er hatte eine zweite Umbesetzung in diesem "Rosenkavalier" neben dem Ausfall von Christina Bock als Octavian zu melden. Statt des Rollendebüts von Maria Bengtsson als Marschallin gab es das Hausdebüt der südafrikanischen Sopranistin Johanni van Oostrum. Roščić dankte den einspringenden Künstlerinnen, "sofern wir ihre Namen schon kennen". Offenbar wurde noch nach einem Ersatz für die indisponierte Ulrike Helzel gesucht - ab dem zweiten Akt wurde sie durch die schottische Altistin Stephanie Maitland ersetzt.

Louise Alder (l., Sophie) und Michèle Losier (Octavian). 
- © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Louise Alder (l., Sophie) und Michèle Losier (Octavian).

- © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Hinter den Kulissen der 389. Aufführung in Otto Schenks Inszenierung dürfte es also turbulent zugegangen sein. Johanni van Oostrum, bereits in Graz als Salome erfolgreich, bewahrte Ruhe. Als Marschallin spielte sie ihre Erfahrung mit dieser Rolle aus (gesammelt u. a. unter Sir Simon Rattle in Amsterdam). Sie teilte die Kräfte ihrer breit strömenden Stimme geschickt phrasierend ein. Das erlaubte ihr, berührende Akzente zu setzen. Michèle Losier verband in ihrem ungeplanten Staatsopern-Rollendebüt als Octavian große komödiantische Kraft und elegante Stimmführung, Stephanie Maitland ließ als Annina mit warm timbriertem Alt aufhorchen.

Neben den unverhofften Debüts überzeugten bewährte Kräfte wie Louise Alder als Sophie mit fein gesponnenem Sopran, Adrian Eröd als wortdeutlicher Faninal, Wolfgang Bankl als präsenter Polizeikommissar und nicht zuletzt der phänomenale Günther Groissböck als stimmlich viriler Ochs.

Philippe Jordan blieb seinen unsentimental zügigen Tempi treu, orientiert am historischen Dirigat von Richard Strauss. Sichtlich erleichtert wurden wohlwollende Bravo-Rufe entgegengenommen, mit dankbarem Blick Richtung Souffleurkasten.