"Selling fear - selling the future." Die Zukunft als Katastrophe. Das birgt nicht nur eine Menge Angst, sondern auch einen ganzen Vorrat an Möglichkeiten, vor allem, wenn es darum geht, Geld daraus zu machen. Damit sind wir auch schon mittendrin in der kollaborativen Stückentwicklung "SHTF" der international erfolgreichen britischen Formation Kandinsky rund um Regisseur James Yeatman und Autorin und Dramaturgin Lauren Mooney. Gemeinsam mit Ensemblemitgliedern und Gästen wird im schwarzen Ambiente einer bedrohlich engen Mauern-und-Beton-Landschaft ein beklemmend eindrückliches Szenario über die Zukunft im Heute entwickelt, das die immer realer werdenden Kakotopien im Großen wie im Kleinen - Klimakrise, Krieg, Pandemien, Digitalisierung - klug zu vereinen weiß.

Geschickt verpackt als immer wieder abzweigendes zweisprachiges Well-Made-Play, bewegt sich die Handlung zwischen privater Endzeitvision (Familie) und globalen Verwertungsmechanismen (Luxusbunker) für eben jene heraufbeschworenen Störfälle und Untergangsszenarien: Hier ein erfolgreicher Makler von Schutzkellern für die Allerreichsten, dort die Mutter eines elfjährigen Sohnes, die angetrieben von Erzählungen und den Bildern einer brennenden Welt beginnt, jenen ahnungsvoll heraufbeschworenen endzeitlichen "tipping point" in ihren Alltag zu integrieren, Dosen stapeln, Zünder horten und Tiere töten inklusive.

Am Ende siegen die apokalyptischen Kräfte, die Bunker sind ausverkauft, die Ehe zerrüttet, und Venedig steht nicht mehr lang.